Ikea schließt Callcenter in Rostock: 280 Mitarbeiter ab Herbst ohne Job
Ikea schließt Rostocker Callcenter – 280 Jobs fallen weg

Ikea schließt Callcenter in Rostock: 280 Mitarbeiter ab Herbst ohne Job

Der schwedische Möbelriese Ikea schließt sein Customer Support Center in Rostock und lässt Hunderte Beschäftigte ratlos zurück. Insgesamt 279 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen vor dem Aus, die Kündigungen sollen planmäßig mit Abschluss der laufenden Verhandlungen zum Sozialplan und Interessenausgleich ausgesprochen werden. Ab voraussichtlich Herbst sind die Betroffenen arbeitslos.

Ein schwarzer Tag für die Belegschaft

Der 25. Februar 2026 wird den Beschäftigten des Ikea Customer Support Centers in Rostock wohl lange in schlechter Erinnerung bleiben. An diesem Tag wurde die Schließung des Standorts verkündet. „Ich habe am Tag der Verkündung noch nie so viele Kollegen weinen gesehen, das war ein schwarzer Tag in meiner Berufskarriere, wie ich ihn gern nie erlebt hätte“, sagt Daniel Mucha, Mitglied im Betriebsrat des Callcenters. Auch ihm seien an diesem Tag die Tränen gekommen. Seit zwei Wochen laufen nun die Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Ikea-Geschäftsführung.

Verhandlungen zum Sozialplan laufen an

Bisher habe es zwei Verhandlungstermine gegeben, berichtet Mucha. „Ziel der Verhandlungen für beide Parteien ist ein Abschluss eines Sozialplans und Interessenausgleichs, in dem man die gute Arbeit am Standort in 20 Jahren des Bestehens würdigen möchte.“ Der Betriebsrat habe mit dem Arbeitgeber Stillschweigen zum aktuellen Verhandlungsstand vereinbart. Über neue Entwicklungen würden die Beschäftigten in einer gemeinsamen E-Mail informiert. Die Kündigungen sollen planmäßig, mit dem Ende der Verhandlungen, ausgesprochen werden. Ab dann laufen die jeweiligen Kündigungsfristen.

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Enttäuschung und Wut bei den Mitarbeitern

16 Jahre lang hat Daniel Mucha im Ikea Customer Support Center gearbeitet. Er und viele seiner Kollegen seien „Ikeaner mit Leib und Seele“ gewesen. „Wir hatten den festen Glauben daran, in einem zukunftssicheren Unternehmen zu arbeiten“, sagt er. Doch jetzt muss er sich mit 50 Jahren wieder auf Arbeitssuche begeben. Die Schließung habe ihm und den Kollegen den Boden unter den Füßen weggezogen. Unter die Traurigkeit mische sich jedoch auch Wut, insbesondere darüber, dass der Betriebsrat nicht frühzeitig beteiligt wurde.

„So eine Entscheidung wird nicht über Nacht getroffen, das hat uns das Management auch bestätigt“, so Mucha. Das Betriebsverfassungsgesetz schreibe vor, dass Betriebsräte zu beteiligen sind und ein Informationsrecht haben. „Die Art und Weise dieser Maßnahme sind Ikea unwürdig und nicht akzeptabel.“ Viele Kollegen fühlten sich überrumpelt, angelogen und hintergangen, da ihnen immer wieder für ihre gute Arbeit gedankt worden sei – selbst am Tag der Schließungsankündigung.

Gesellschaftliche Auswirkungen in Rostock

In einer Stadt wie Rostock seien 279 zusätzliche Arbeitslose aus dem Einzelhandel ein gesellschaftliches Problem, betont Mucha. Zudem verlieren mit der Schließung des Standortes, der im vergangenen Jahr einen Inklusionspreis der Hansestadt erhalten hat, auch 30 Menschen mit Behinderung ihren Job. Daniel Mucha, der selbst im Rollstuhl sitzt, macht darauf aufmerksam. Anzeichen dafür, dass Ikea bei der Jobsuche helfen oder Mitarbeiter in andere Bereiche übernehmen wolle, gebe es bisher nicht. Das gelte auch für die vier Auszubildenden im ersten Lehrjahr und einen im zweiten.

Verdi fordert faire Lösungen

Die Gewerkschaft Verdi erwartet von Ikea, im Interesse der Mitarbeiter zu handeln. „Das Unternehmen ist aus unserer Sicht in der Pflicht, den Kollegen, die voraussichtlich im Sommer gekündigt werden, faire Angebote zu unterbreiten – die wirtschaftlichen Konsequenzen der Betriebsschließung sollen nicht die Beschäftigten, sondern das Unternehmen tragen“, sagt Marcus Dejosez, Gewerkschaftssekretär von Verdi im Fachbereich Handel Nord. Insbesondere innerhalb der Sozialplanverhandlung erwarte Verdi, dass Ikea seinen Verpflichtungen nachkomme.

Die Schließung des Rostocker Callcenters markiert das Ende einer 20-jährigen Standortgeschichte und wirft Fragen zum Umgang des Konzerns mit seinen Mitarbeitern auf. Die Betroffenen blicken mit großer Unsicherheit in die Zukunft, während die Verhandlungen über ihren weiteren Weg noch andauern.

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