IT-Berufe als Männerdomäne: 43 Prozent der Unternehmen sehen Frauen als weniger geeignet
Das Klischee der Männerdomäne in der Informationstechnik (IT) bleibt hartnäckig bestehen. Eine aktuelle Umfrage des Digitalverbands Bitkom offenbart, dass 43 Prozent der befragten Unternehmen der Ansicht sind, Männer seien für IT- und Digitalberufe besser geeignet als Frauen. Fast jedes zweite Unternehmen, konkret 48 Prozent, vertritt zudem die Meinung, dass diese Berufsfelder Frauen abschrecken würden.
Bitkom-Präsident fordert Maßnahmen gegen Barrieren
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst appellierte am Dienstag an Unternehmen, Bildungseinrichtungen und die Politik, Barrieren abzubauen und IT-Berufe für Frauen sichtbarer und attraktiver zu gestalten. „Wer digitale Transformation und Künstliche Intelligenz erfolgreich gestalten will, kann es sich nicht leisten, auf die Hälfte der Talente zu verzichten“, mahnte Wintergerst. Er betonte, dass gemischte Teams produktiver und kreativer arbeiten und Unternehmen durch die Förderung von Vielfalt nicht nur ihre Unternehmenskultur verbessern, sondern auch ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit stärken.
Ergebnisse der Umfrage im Detail
Laut der repräsentativen Umfrage, bei der 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten befragt wurden, beschäftigt keines der Unternehmen in Bereichen wie IT-Administration, Softwareentwicklung, digitaler Transformation oder Künstlicher Intelligenz mehr Frauen als Männer. In neun von zehn Unternehmen sind weniger als die Hälfte der Stellen in IT- und Digitalfachbereichen mit Frauen besetzt. Die Unternehmen nennen mehrere Gründe für den niedrigen Frauenanteil:
- Hürden beim Wiedereinstieg von Frauen nach Familienphasen.
- Eine unzureichende Sensibilisierung von Führungskräften mit Personalverantwortung.
- Politische Faktoren wie Defizite in der Betreuungsinfrastruktur.
- Klischeehafte Berufsorientierung, die bereits in der Schule beginnt.
Maßnahmen zur Gewinnung von Frauen für IT-Berufe
Um mehr Frauen speziell für IT- und Digitalberufe zu gewinnen, setzen Unternehmen auf verschiedene Strategien:
- Kooperationen mit Hochschulen und Schulen, um frühzeitig Interesse zu wecken.
- Spezielle Einstiegsprogramme wie Traineeships, die gezielt Frauen ansprechen.
- Frauenspezifische Werbe- und Social-Media-Kampagnen sowie Karriereevents.
- Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, darunter mobiles Arbeiten und familienfreundlichere Arbeitsbedingungen.
Diese Initiativen zielen darauf ab, die strukturellen Hindernisse zu überwinden und eine inklusivere Arbeitsumgebung zu schaffen. Die Umfrageergebnisse unterstreichen die Dringlichkeit, geschlechtsspezifische Vorurteile in der IT-Branche zu bekämpfen und langfristig eine ausgewogenere Repräsentation zu erreichen.



