Mehr als jeder zweite Beschäftigte über 50 in Niedersachsen will früher in Rente
Jeder zweite über 50 in Niedersachsen will früher in Rente

Hannover – Die Debatte um die Rentenreform der schwarz-roten Koalition stößt auf breite Ablehnung, insbesondere die geplante Abschaffung der Rente mit 63 und die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Eine aktuelle Studie der DAK-Gesundheit zeigt, warum: In Niedersachsen will mehr als jeder zweite Beschäftigte über 50 Jahren früher in Rente gehen.

54 Prozent planen vorzeitigen Renteneintritt

Laut dem DAK-Gesundheitsreport „Arbeiten ab 50“ planen 54 Prozent der Beschäftigten ab 50 in Niedersachsen einen vorzeitigen Renteneintritt. Im bundesweiten Durchschnitt sind es 52 Prozent. Nur 38 Prozent der Befragten in Niedersachsen wollen bis zur gesetzlichen Rente arbeiten. Immerhin 8 Prozent können sich vorstellen, darüber hinaus im Beruf zu bleiben. Betrachtet man alle Beschäftigten in Niedersachsen, denken 45 Prozent über eine frühere Rente nach.

Unter den über 50-Jährigen mit schlechterer Gesundheit wollen sogar 57 Prozent früher in Rente. Die Studie basiert auf einer repräsentativen Forsa-Umfrage unter 1.009 Erwerbstätigen im Alter von 18 bis 67 Jahren im November 2025 sowie auf Arbeitsunfähigkeitsdaten von rund 223.000 DAK-versicherten Beschäftigten in Niedersachsen, die vom Berliner IGES-Institut ausgewertet wurden. Die DAK-Gesundheit hat in Niedersachsen 532.000 Versicherte, bundesweit rund 5,4 Millionen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Wertschätzung und bessere Bezahlung gefordert

Dirk Vennekold, DAK-Landeschef in Niedersachsen, betonte: „Wenn jeder zweite ältere Beschäftigte im Land frühzeitig ausscheiden will, dann müssen wir darauf reagieren.“ Es werde immer wichtiger, erfahrene Kolleginnen und Kollegen gesund, motiviert und leistungsfähig im Job zu halten. Gute Arbeitsbedingungen und mehr Wertschätzung am Arbeitsplatz seien notwendig. Für 39 Prozent der Befragten ab 50 ist Wertschätzung eine wichtige Voraussetzung für ein längeres Arbeitsleben. Jeder Dritte wünscht sich stärkere Anerkennung seines Erfahrungswissens. Besonders gefragt ist jedoch eine höhere Bezahlung: 44 Prozent der Befragten nennen dies als Voraussetzung. Knapp ein Viertel kann sich eine Aktivrente vorstellen, also einen Steuerbonus für Arbeit im Rentenalter.

Ältere Beschäftigte länger krankgeschrieben

Die Untersuchung zeigt, dass ältere Beschäftigte seltener, aber im Durchschnitt länger krankgeschrieben sind. Beschäftigte ab 50 kamen im vergangenen Jahr auf 170 Krankschreibungen je 100 Versicherte, während es bei den unter 50-Jährigen mit 226 Fällen deutlich mehr waren. Die durchschnittliche Falldauer bei den über 50-Jährigen lag bei 16,2 Tagen, bei den unter 50-Jährigen bei 8,1 Tagen. Diese Zahlen unterstreichen die besonderen gesundheitlichen Herausforderungen älterer Arbeitnehmer.

Reaktionen und Ausblick

Die Ergebnisse des DAK-Reports reihen sich ein in bundesweite Umfragen, die ebenfalls eine hohe Zustimmung zu früheren Renteneintritten zeigen. Angesichts der politischen Pläne, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln, wird der Druck auf die Politik steigen, die Arbeitsbedingungen für ältere Beschäftigte zu verbessern. Die Forderungen nach mehr Wertschätzung, höherer Bezahlung und flexibleren Modellen wie der Aktivrente zeigen, dass viele Arbeitnehmer bereit sind, länger zu arbeiten, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration