Gefangen in der Job-Hölle: Zwei Frauen aus der Uckermark berichten von Mobbing und Burnout
Die beiden Frauen aus der Uckermark haben sich hilfesuchend an den Nordkurier gewandt. Ihre Botschaft ist deutlich: „Schnauze voll“. Katja R.* (56) und Sabine V.* (53) kennen sich seit ihrer Kindheit und haben ähnliche Lebenswege hinter sich. Beide sind in einem kleinen Dorf nahe Templin aufgewachsen, haben früh Kinder bekommen und ohne abgeschlossene Lehre ins Berufsleben gestartet.
Ein Leben im Niedriglohnsektor
„Wir haben aber nie faul zu Hause gesessen, sondern uns immer wieder gleich um Jobs bemüht“, betonen die beiden Frauen bei ihrem Besuch in der Redaktion. Doch jetzt sind ihre Akkus leer. Die Bilanz ihres Arbeitslebens fällt bitter aus: Jahrzehnte geprägt von mobbenden Kollegen, narzisstischen Vorgesetzten und unzumutbaren Arbeitsbedingungen.
„Nicht nur als Putzfrau bist du für alle der letzte Dreck“, resümiert Katja R.* betroffen. Sie schildert alltägliche Vorkommnisse in touristischen Einrichtungen und landwirtschaftlichen Betrieben, die sie wegstecken musste. Zeitweise arbeiteten die Frauen sogar in derselben Firma. „Da verstand ich dann sofort, warum Sabine so oft heulend vor meiner Tür stand. Ich hatte nämlich plötzlich auch jeden Morgen Bauchschmerzen, wenn ich zur Arbeit fuhr“, erzählt sie unter Tränen.
Fehlende Wertschätzung und Struktur
Sabine V.* ergänzt, dass sie sich besonders über die fehlende Struktur und Wertschätzung geärgert habe: „Die Umsätze hätten viel besser sein können, wenn der Chef mal unsere Verbesserungsvorschläge überdacht hätte. Aber alle Einwände wurden nur als Meckerei abgetan.“ Nach anderthalb Jahren habe sie hingeschmissen – nicht wegen der Arbeit selbst, sondern wegen der ständigen Demütigungen.
Eine Bemerkung über ihr angeblich schlampiges Aussehen gab letztlich den Ausschlag: „Ganz ehrlich: Ich stand manchmal zwölf Stunden am Tag in der Produktion. Sollte ich im Miniröckchen erscheinen? Aber so bin ich nicht.“
Angst vor dem nächsten Arbeitstag
Die beiden Frauen wissen, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht allein sind: „Wir kennen in unserem Umfeld genau zwei, die gern zur Arbeit gehen. Der Rest hat Angst vorm nächsten Tag und innerlich schon gekündigt.“ Katja R.* verweist auf die steigende Zahl psychisch Kranker und Menschen mit Burnout: „Man verbringt die meiste Zeit des Tages doch im Job. Wenn der aber die Hölle ist, wird man zwangsläufig krank.“
Beide sind seit Wochen krankgeschrieben. Sabine V.* wartet aktuell auf den Start ihrer Reha-Kur. Doch auch dort trifft sie auf ähnlich Betroffene: „Man trifft lauter Berufstätige, die ebenfalls ausgebrannt und leer sind und stellt irgendwann fest, dass man selbst ja nicht das Problem ist, sondern das toxische Arbeitsumfeld.“
Der Wunsch nach einem respektvollen Arbeitsplatz
Beide würden sich wünschen, noch einmal eine Stelle zu finden, „in der wir bis zur Rente bleiben, weil es sich gut anfühlt. Wir sind uns für nichts zu schade.“ Doch gibt es solche Arbeitsplätze? Scherzhaft nennen sie Leuchtturmwärter oder Friedhofsgärtner als Optionen, bevor sie ernst werden:
„Aber jetzt mal im Ernst: ein respektvoller Chef, empathische Kollegen und wertschätzende Kunden beziehungsweise Gäste würden reichen. Wenn die Arbeitsabläufe dann noch Sinn machen, wären wir die besten Mitarbeiterinnen, die man sich wünschen kann. Ist das denn zu viel verlangt?“
Wer eine Stelle zu besetzen hat, kann sich an die Redaktion wenden. Die Kontaktvermittlung wird unterstützt.



