Arbeitgeberpräsident fordert Karenztag: Kein Lohn am ersten Krankheitstag
Karenztag-Forderung: Kein Lohn bei Krankheit am ersten Tag

Arbeitgeberpräsident fordert drastische Maßnahme gegen hohe Krankenstände

Die deutsche Wirtschaft sieht sich mit einem zunehmenden Problem konfrontiert: den hohen Krankenständen in Unternehmen. Als Reaktion darauf schlägt Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger (62) eine kontroverse Maßnahme vor – die Einführung eines sogenannten Karenztages. Dieser würde bedeuten, dass Arbeitnehmer am ersten Tag einer Krankmeldung keinen Lohn mehr erhalten würden.

Dulger: "Missbräuchliche Krankmeldungen erschweren"

In einem Interview mit dem Nachrichtenportal "t-online" äußerte sich der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände besorgt über die aktuelle Entwicklung. "Die aktuell hohen Krankenstände sind ein echtes Problem", sagte Dulger. "Alles, was missbräuchliche Krankmeldungen erschwere, sei deshalb hilfreich."

Sein konkreter Vorschlag: "Eine Idee wäre die Einführung eines Karenztages, sodass der Arbeitgeber den Lohn im Krankheitsfall erst ab dem zweiten Krankheitstag zahlt". Der ausgefallene Arbeitstag würde dabei nicht komplett verloren gehen, sondern könnte nach Vorstellung Dulgers später an das Arbeitsverhältnis angehängt werden.

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Langzeiterkrankte würden profitieren

Laut Dulger würden von diesem Modell insbesondere langzeiterkrankte Arbeitnehmer profitieren. "Diejenigen, die wirklich krank sind und die lange ausfallen, bekämen dieselben Leistungen wie jetzt", betonte der Arbeitgeberpräsident. Das System würde dazu beitragen, "die Zahl sehr kurzfristiger Fehlzeiten weiter zu reduzieren und den Fokus stärker auf tatsächlich notwendige Ausfallzeiten zu lenken".

Forderung nach vollständiger Übernahme von Gesundheitskosten

Neben dem Karenztag-Vorschlag äußerte Dulger weitere Forderungen zur Entlastung des Gesundheitssystems. Angesichts steigender Sozialbeiträge und Finanzlücken bei den gesetzlichen Krankenkassen fordert er, dass der Bund die Gesundheitskosten der etwa fünf Millionen Bürgergeldempfänger vollständig übernimmt.

"Wir brauchen endlich eine saubere Finanzierung", sagte Dulger. Der Bund zahle den Krankenkassen für jeden Bürgergeldempfänger lediglich etwa 140 Euro – ein Betrag, der die tatsächlichen Gesundheitskosten bei weitem nicht decke. "Die fehlenden rund zehn Milliarden Euro tragen heute die Beitragszahler", kritisierte der Arbeitgeberpräsident. "Würde der Bund seinen Anteil vollständig übernehmen, könnten die Beiträge spürbar sinken."

Unterstützung von Allianz-Chef Bäte

Die Forderung nach einem Karenztag findet auch in der Wirtschaft Unterstützung. Bereits im vergangenen Jahr hatte Allianz-Chef Oliver Bäte (59) einen ähnlichen Vorschlag gemacht. Der Chef von Deutschlands größter Versicherung begründete dies ebenfalls mit der hohen Anzahl von Krankentagen.

"Deutschland ist mittlerweile Weltmeister bei den Krankmeldungen", sagte Bäte damals dem Handelsblatt. "Das erhöht die Kosten im System." Die Aussagen des Allianz-Chefs unterstreichen die Dringlichkeit, mit der Teile der Wirtschaft das Problem der Krankenstände angehen wollen.

Die Diskussion um den Karenztag dürfte in den kommenden Wochen weiter an Fahrt aufnehmen, während Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften ihre Positionen zu diesem kontroversen Thema klären müssen.

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