Im ersten Halbjahr 2026 sind die Krankschreibungen in Deutschland leicht zurückgegangen. Nach einer Auswertung der DAK-Gesundheit waren Erwerbstätige im Schnitt 9,6 Tage arbeitsunfähig geschrieben, verglichen mit 9,9 Tagen im Vorjahreszeitraum. Der Krankenstand sank von 5,4 auf 5,3 Prozent, das bedeutet, dass an jedem Tag durchschnittlich 53 von 1.000 Beschäftigten krankgeschrieben waren. Die Analyse basiert auf Daten von rund 2,2 Millionen Versicherten der Kasse, die vom Berliner Iges-Institut ausgewertet wurden.
Psychische Erkrankungen als häufigste Ursache
Erstmals seit langem liegen psychische Erkrankungen wie Depressionen an der Spitze der Fehlzeitenursachen. Sie verzeichneten einen Anstieg um neun Prozent auf 184 Fehltage je 100 Versicherte. Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Grippe, die im ersten Halbjahr 2025 noch dominierten, gingen um 21 Prozent auf 175 Fehltage zurück. Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen folgen mit 174 Fehltagen je 100 Versicherte an dritter Stelle.
Altersunterschiede beim Krankenstand
Der Rückgang bei den Krankschreibungen betraf vor allem jüngere Beschäftigte. Bei den 15- bis 19-Jährigen und den 20- bis 24-Jährigen sank der Krankenstand jeweils um 0,3 Prozentpunkte. Bei den über 60-Jährigen stieg er dagegen um 0,3 Prozentpunkte, obwohl die Zahl der Krankschreibungen zurückging – die Dauer der Erkrankungen nahm jedoch zu.
Politische Maßnahmen und Reaktionen
DAK-Vorstandschef Andreas Storm begrüßte den leichten Rückgang, betonte aber den Handlungsbedarf bei Langzeiterkrankungen. Er unterstützt die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) gestartete Präventionsoffensive und die geplante Einführung einer Teilkrankschreibung, die es Beschäftigten ermöglichen soll, bei längerer Krankheit teilweise zu arbeiten. Die schwarz-rote Koalition plant zudem strengere Regeln für Krankschreibungen: So soll die Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag verpflichtend werden, anstatt wie bisher erst ab dem vierten Tag. Auch die telefonische Krankschreibung ohne Praxisbesuch soll entfallen. Diese Pläne stoßen auf breite Kritik, unter anderem von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, die befürchtet, dass Praxen unnötig belastet werden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellte klar, dass es nicht um einen sofortigen Praxisbesuch gehe, sondern um die Bescheinigungspflicht ab Tag eins. Ärzte können den Beginn der Arbeitsunfähigkeit weiterhin rückdatieren, in der Regel bis zu drei Tage. Zudem ist die Ausstellung von Bescheinigungen per Videosprechstunde möglich. Die elektronische Übermittlung von Krankschreibungen, die seit 2022 gilt, hat laut Kassen und Statistischem Bundesamt zu einer vollständigeren Erfassung der Fehlzeiten beigetragen.



