Leiharbeit in Thüringen schrumpft deutlich – Lohnlücke bleibt bestehen
Leiharbeit in Thüringen schrumpft – Lohnlücke bleibt

Leiharbeit in Thüringen schrumpft deutlich – Lohnlücke bleibt bestehen

In Thüringen ist die Zahl der Leiharbeiter im vergangenen Jahr erheblich zurückgegangen, während die Verdienstunterschiede zu regulären Beschäftigten weiterhin beträchtlich sind. Nach aktuellen Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit waren im Juni des Vorjahres rund 19.700 Menschen in der Zeitarbeit beschäftigt. Das entspricht einem Rückgang von etwa 3.700 Personen oder 15,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Konjunkturelle Gründe für den Rückgang

Markus Behrens, der Vorsitzende der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, führt den deutlichen Rückgang auf konjunkturelle Faktoren zurück. „Zeitarbeit ist oft der erste Bereich, der bei Auftragsrückgang schrumpft“, erklärt Behrens. Unternehmen würden bei sinkender wirtschaftlicher Nachfrage zunächst Zeitarbeitskräfte abbauen, bevor sie ihre Stammbelegschaft reduzieren. Gleichzeitig setzten Betriebe vermehrt auf langfristige Beschäftigungsverhältnisse, was die Bedeutung der Leiharbeit als Randphänomen auf dem Arbeitsmarkt unterstreicht. Mit einem Anteil von etwa zwei Prozent aller Beschäftigten im Freistaat bleibt die Zeitarbeit eine Nische.

Einsatzbereiche und Lohnunterschiede

Die meisten Leiharbeiter in Thüringen sind in der Logistik und Industrie tätig. Die Verteilung der Einsatzbereiche zeigt folgendes Bild:

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  • 34 Prozent arbeiten in der Lagerwirtschaft sowie in Post-, Zustell- und Güterumschlagberufen.
  • 20 Prozent sind in Metall- und Maschinenbauberufen beschäftigt.
  • 5 Prozent finden sich in der Lebensmittel- und Genussmittelherstellung.

Beim Verdienst klafft eine deutliche Lücke: Ende 2024 lag das mittlere Bruttomonatsentgelt für Leiharbeitskräfte bei rund 2.300 Euro, während Vollzeitbeschäftigte im Median auf etwa 3.300 Euro kamen. Gründe für diese Diskrepanz sind der hohe Anteil an Helfertätigkeiten, der geringe Einsatz von Spezialisten sowie eine tarifliche Wochenarbeitszeit von 35 Stunden in der Zeitarbeit.

Weitere Entwicklungen und Zahlen

Die Zeitarbeitsunternehmen meldeten im vergangenen Jahr rund 5.700 neue Stellen bei den Arbeitsagenturen – 500 weniger als im Vorjahr. Von diesen Stellen richteten sich 41 Prozent an Helfer und 52 Prozent an Fachkräfte. Der Rückgang betrifft sowohl deutsche als auch ausländische Beschäftigte: Bei den Deutschen sank die Zahl der Leiharbeitskräfte um rund 1.800 Personen, bei den ausländischen Beschäftigten um etwa 1.900. Diese Entwicklung unterstreicht die volatile Natur der Zeitarbeit, die stark von der wirtschaftlichen Gesamtlage abhängt.

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