Machtspiele im Job erkennen und sich wappnen: Strategien für Betroffene
Machtspiele im Job: So erkennen und stoppen Sie sie

Machtspiele am Arbeitsplatz sind selten offensichtlich. Oft äußern sie sich in subtilen Strategien, mit denen Kollegen oder Vorgesetzte ihre eigenen Interessen auf Kosten anderer durchsetzen. Wer solche Muster erkennt und weiß, wie man sich dagegen wappnet, kann das Arbeitsklima verbessern und die eigene Zufriedenheit steigern.

Was sind Machtspiele im Job?

Machtspiele im Job sind Versuche, andere zu beeinflussen, Macht zu sichern oder eigene Ziele durchzusetzen – häufig informell und hinter den Kulissen. Sie können in jeder Organisation vorkommen, besonders wenn Informationen knapp sind, Entscheidungen intransparent wirken oder Zuständigkeiten unklar bleiben. „Jeder im Berufsleben verfolgt eigene Interessen, das ist normal“, sagt Gerhard Blickle, Universitätsprofessor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Bonn. Problematisch wird es, wenn persönliche Interessen zum Nachteil anderer werden oder sogar über den Unternehmenserfolg gestellt werden.

Typische Anzeichen für Machtspiele

Machtspiele zeigen sich auf verschiedene Weise. Offen kann es beginnen, wenn eine Führungskraft einen Mitarbeiter zu einer unliebsamen Aufgabe drängt. „Die Führungskraft kann qua ihrer hierarchischen Funktion zumeist durchsetzen, dass der Mitarbeiter gegen seinen Willen die Aufgabe erledigt“, so Blickle. Häufiger sind subtilere Signale: Ausgrenzung bestimmter Personen, Entzug von Aufgaben ohne Begründung, übermäßige Kontrolle, mangelnde Transparenz oder ständige Rückfragen. Auch das Abschieben von Verantwortung bei unliebsamen Aufgaben oder Fehlern ist typisch. In Meetings kann es vorkommen, dass ein Vorschlag zunächst ignoriert wird, um kurz darauf von einer anderen Person als eigene Idee präsentiert zu werden – mit positivem Echo. „Augenscheinlich hat sich im Team eine Gruppe gebildet, die gegen andere intrigiert“, erklärt Eva Boos, Business Coach in Berlin.

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Was Betroffene sofort tun können

Langfristig führen Machtspiele zu Unzufriedenheit und sinkender Motivation. Wer sich wappnen will, sollte einige Strategien beherrschen. „Wichtig ist vor allem, Grenzen zu setzen“, sagt Boos. Konkrete Maßnahmen:

  • Benennen, was passiert: Wird die eigene Idee im Meeting von einem anderen als dessen Vorschlag präsentiert, sollte man das sachlich ansprechen. Auch bei ständiger Kontrolle oder intransparenten Entscheidungen ist es wichtig, das Thema anzusprechen.
  • Einschüchterungsversuche stoppen: Bei scharfem Ton sofort reagieren, zum Beispiel: „Ich merke, der Ton wird gerade sehr scharf. Lass uns kurz durchatmen und sachlich zum Thema zurückkehren.“
  • Nicht automatisch Ja sagen: Trägt die Führungskraft eine unliebsame Aufgabe an, sollte man klar die eigenen Vorbehalte äußern, statt einfach zuzustimmen.
  • Verbündete suchen: Teammitglieder fragen, ob sie Meetings ähnlich toxisch erleben. „Gemeinsam sind wir stark und können Veränderungen zum Positiven herbeiführen“, so Blickle.
  • Wichtige Punkte dokumentieren: Relevante Gesprächsinhalte aufschreiben. Eigene Notizen können zeigen, dass ein Kollege ein Projekt zunächst an sich gezogen hat, um es später abzuschieben.

Team-Regeln gegen Machtspiele

Nicht alles lässt sich im Zweiergespräch lösen. Teams können gemeinsam Regeln aufstellen, um Machtspiele zu reduzieren. „Hilfreich ist, alle an einen Tisch zu holen und gemeinsam Team-Regeln aufzustellen“, sagt Blickle. Dazu gehören eindeutige Zuständigkeiten und klare Regeln für alle. Boos empfiehlt zudem eine professionelle Moderation bei Meetings: Jeder sollte zu Wort kommen und ausreden können. Ergebnisse und Entscheidungen werden dokumentiert, damit sie später nicht umgedeutet werden können. „Kein Unternehmen sollte sich eine Angstkultur leisten“, betont Boos, denn sie vergiftet das Arbeitsklima und schadet dem Unternehmenserfolg.

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