Minijobs vor dem Aus? Reformpläne und ihre Auswirkungen
Minijobs: Reformpläne und Auswirkungen

Seit ihrer Einführung im Jahr 2003 gelten Minijobs in Deutschland als flexibles Beschäftigungsmodell. Doch nun steht die geringfügige Beschäftigung vor einer grundlegenden Reform. Nach Vorschlägen der Rentenkommission sollen Minijobs künftig in die gesetzliche Rente einbezogen werden. Fast sieben Millionen Menschen sind betroffen, die meisten von ihnen mit deutschem Pass. Arbeitgebervertreter warnen vor negativen Folgen für die Wirtschaft, während Gewerkschaften und Teile der Politik die Abschaffung fordern.

Was genau ist ein Minijob?

Ein Minijob ist eine geringfügige Beschäftigung mit wenigen Stunden pro Woche oder maximal drei Monaten am Stück pro Jahr. Der Verdienst ist auf 603 Euro pro Monat oder 7.236 Euro pro Jahr begrenzt. Arbeitnehmer zahlen keine Sozialabgaben, Arbeitgeber entrichten eine Pauschale von etwas über 30 Prozent, davon 15 Prozent für die Rentenversicherung und 13 Prozent für die Krankenversicherung. Im Vergleich zu einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zahlt der Arbeitgeber tendenziell mehr Abgaben, der Arbeitnehmer dagegen gar keine.

Vorteile für Arbeitgeber und betroffene Branchen

Arbeitgeber schätzen die Flexibilität von Minijobs, um saisonale Lücken zu schließen, ohne Mitarbeiter ganzjährig beschäftigen zu müssen. Die Abwicklung über die Minijobzentrale gilt als stark vereinfacht. Die größten Gruppen von Minijobbern arbeiten im Handel und in der Gastronomie. Dort ist der Widerstand gegen Reformpläne am größten. Der Hotel- und Gaststättenverband in Bayern bezeichnet die Vorschläge der Rentenkommission als „Katastrophe für das Gastgewerbe“. CSU-Chef Markus Söder mahnte, Minijobs seien ein sensibles Thema, man dürfe nicht voreilig „Porzellan zerschlagen“.

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Zahlen und Fakten zu Minijobs

Laut Minijobzentrale sind derzeit 6.554.876 Menschen gewerblich geringfügig beschäftigt, hinzu kommen 252.372 in Privathaushalten. Fast zwei Drittel der gewerblichen Minijobber sind zwischen 24 und 64 Jahre alt. Frauen sind mit 55,9 Prozent klar in der Überzahl, 18,3 Prozent haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. Im ersten Quartal wurden Beiträge in Höhe von 1,3 Milliarden Euro für die Rentenversicherung und 1,02 Milliarden Euro für die Krankenversicherung eingezahlt.

Kritik von Arbeitsmarktexperten

Die Bundesagentur für Arbeit sieht Minijobs kritisch, da sie Anreize schaffen, keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufzunehmen. Vorstandsvorsitzende Andrea Nahles erklärte, Deutschland habe eine hohe Erwerbsbeteiligung von Frauen, aber eine der niedrigsten Arbeitsstunden pro Frau in Europa. Minijobs seien – ähnlich wie das Ehegattensplitting – ein staatlicher Anreiz, nur wenige Stunden zu arbeiten. Arbeitsmarktforscher Ulrich Walwei vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wies bereits 2021 in einer Stellungnahme für den Bundestag auf ein hohes Niedriglohnrisiko und eine hohe Armutsgefährdungsquote bei Minijobbern hin. Es gebe Hinweise auf einen Verdrängungseffekt aus der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Das Argument, Minijobs dienten als Brücke in den regulären Arbeitsmarkt, ziehe nur sehr bedingt.

Positionen der politischen Parteien

Die AfD will die Möglichkeit von Minijobs ausweiten. SPD, Linke und Grüne sprechen sich für eine Abschaffung aus. In der Union gab es unterschiedliche Stimmen, zuletzt wurden jedoch auch dort Rufe nach einer Abschaffung lauter.

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