Dieter Nuhr sorgt mit Femizid-Witzen für Empörung bei ARD und Sozialen Medien
Nuhr sorgt mit Femizid-Witzen für Empörung

Der Kabarettist Dieter Nuhr (65) hat mit seinen Äußerungen über Femizide in der Sendung „Nuhr im Ersten XXL“ vom 18. Juni eine Welle der Empörung ausgelöst. In seinem Monolog bezog er sich auf die jährlich etwa 300 bis 350 Frauenmorde in Deutschland und stellte diese als statistisch vernachlässigbar dar. „Die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, ist praktisch null“, so Nuhr. Diese Aussage stieß auf breite Kritik, da sie die tatsächliche Gefahr für Frauen verharmlose.

Nuhrs umstrittene Aussagen und die Reaktionen

Nuhr ging in seinen Ausführungen noch weiter und machte indirekt die Frauen für die Gewalt verantwortlich: „Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenlernt.“ Diese Logik impliziert, dass Frauen durch bessere Partnerwahl Gewalt vermeiden könnten. In den sozialen Medien äußerten zahlreiche Influencerinnen und Influencer scharfe Kritik. Sie warfen Nuhr vor, Frauen die Opferrolle abzusprechen und Witze auf Kosten getöteter Frauen zu machen. Zudem werte er das gesamte weibliche Geschlecht ab, indem er unterstelle, Frauen würden unvermittelt mit jedem ins Bett steigen.

Statistiken zu Femiziden und häuslicher Gewalt

Die Kritik wird durch aktuelle Zahlen untermauert: Laut Bundeskriminalamt wurden 2024 in Deutschland 265.942 Menschen Opfer häuslicher Gewalt – ein neuer Höchststand. 70,4 Prozent der Opfer waren weiblich. Bei vollendeten Tötungsdelikten an Frauen kannten sich Opfer und Täter in rund 80 Prozent der Fälle, oft handelte es sich um den (Ex-)Partner. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen, da viele Taten aus Angst, Scham oder Abhängigkeit nicht angezeigt werden.

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Reaktion der ARD auf die Kritik

Auf die anhaltende Kritik reagierte die ARD gegenüber „watson“ mit einer Stellungnahme: „Dass die zitierte Passage auf große Kritik stößt, können wir nachvollziehen. In Satireformaten gilt es jedoch auch die künstlerische Freiheit zu achten.“ Weiter hieß es: „Dieter Nuhr darf grundsätzlich als Künstler vor dem Hintergrund der Kunstfreiheit auch provozierend und zugespitzt formulieren.“ Diese Positionierung stieß ebenfalls auf geteilte Reaktionen, da viele Kritiker die Grenzen der Kunstfreiheit bei solch sensiblen Themen infrage stellen.

Gesellschaftliche Debatte über Femizide und Satire

Der Fall Nuhr hat eine breite gesellschaftliche Debatte über den Umgang mit Femiziden in der Satire ausgelöst. Während einige die Kunstfreiheit betonen, fordern andere mehr Sensibilität und Verantwortung von öffentlich-rechtlichen Sendern. Die Diskussion zeigt, wie schwierig der Spagat zwischen provokanter Satire und der Verharmlosung von Gewalt sein kann. Nuhr selbst hat sich bislang nicht zu der Kritik geäußert.

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