Chefökonom: Ohne Zuwanderer keine neue Wachstumsdynamik möglich
Ohne Zuwanderer keine neue Wachstumsdynamik

Deutschland steht vor den demografisch schwierigsten Jahren seiner Geschichte. Die Alterung der Gesellschaft wirkt als veritable Wachstumsbremse, und ohne Zuwanderung kann es keine neue Wachstumsdynamik geben, warnt Chefökonom Bert Rürup. In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt stellt er klar: Die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands hängt entscheidend von der Integration von Migranten ab.

Historische Bedeutung der Zuwanderung

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Deutschlands Aufstieg zur drittgrößten Volkswirtschaft der Welt ohne Zuwanderung nicht möglich gewesen wäre. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts führte das rasante Wachstum der Montanindustrie zu einem enormen Arbeitskräftebedarf. Der Boom im Ruhrgebiet wirkte wie ein Magnet für Arbeitssuchende aus den strukturschwachen Gebieten Ostpreußens. Zwischen 1871 und dem Ersten Weltkrieg wanderten mehr als eine halbe Million Menschen ein – eine der größten Binnenwanderungen der europäischen Geschichte.

Zwischen 1955 und 1973 kamen rund 14 Millionen sogenannte Gastarbeiter in die alte Bundesrepublik. Sie legten das Fundament für das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit. Ohne diese Zuwanderer wäre der wirtschaftliche Aufschwung nicht denkbar gewesen, betont Rürup.

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AfD-Forderungen ignorierten wirtschaftliche Realitäten

Die AfD fordert in ihrem Zwölf-Punkte-Sofortprogramm eine „Politik der geschlossenen Tür“. Die größte Oppositionsfraktion im Bundestag verlangt unter anderem: „Die ausgebliebene Migrationswende muss durch eine Politik der geschlossenen Tür eingeleitet werden. Die Migrationsmagneten werden abgestellt. Eingebürgert wird nur noch nach strengen Kriterien und frühestens nach zehn Jahren – auf eigenen Füßen und voll im Beruf stehend.“

Rürup kritisiert diese Position scharf: „Offensichtlich verkennt die AfD, dass Deutschlands wirtschaftlicher Aufstieg ohne Zuwanderung nicht möglich gewesen wäre.“ Die demografische Entwicklung werde die Arbeitskräfteknappheit weiter verschärfen. Bereits heute fehlen in vielen Branchen Fachkräfte, und der Bedarf werde in den kommenden Jahren weiter steigen.

Wirtschaftliche Folgen der Alterung

Die Alterung der Gesellschaft führt zu einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung. Laut Prognosen des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter bis 2035 um mehrere Millionen sinken. Dies werde das Wirtschaftswachstum deutlich bremsen, so Rürup. Ohne Zuwanderung sei ein nachhaltiges Wachstum nicht zu erreichen.

Der Chefökonom plädiert daher für eine gezielte Einwanderungspolitik, die qualifizierte Fachkräfte anzieht und integriert. „Deutschland muss sich als Einwanderungsland verstehen und entsprechende Rahmenbedingungen schaffen“, fordert er. Dazu gehörten eine beschleunigte Anerkennung ausländischer Abschlüsse, Sprachkurse und eine Willkommenskultur.

Fazit: Zuwanderung als Schlüssel für Wachstum

Die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands hängt maßgeblich von der Fähigkeit ab, Zuwanderung zu gestalten und zu integrieren. Die historische Erfahrung zeigt, dass Zuwanderer einen entscheidenden Beitrag zum Wohlstand geleistet haben. Wer heute die Grenzen dicht macht, riskiert eine wirtschaftliche Stagnation und den Verlust von Wohlstand, warnt Rürup.

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