Griechenland: Rückkehr der Auswanderer – Familiäre Bindung wichtiger als Steuern
Rückkehr der Auswanderer: Familie vor Steuern

Athen – Griechenland erlebt eine bemerkenswerte Trendwende: Seit 2023 wandern netto wieder mehr Menschen ein als aus. Fast zwei Drittel derjenigen, die während der Schuldenkrise das Land verließen, sind inzwischen zurückgekehrt. Das geht aus einer neuen Studie der OECD und des griechischen Nationalen Dokumentationszentrums (EKT) hervor. Die konservative Regierung unter Premierminister Kyriakos Mitsotakis lockt mit Steuervergünstigungen und Subventionen, doch die Motive der Rückkehrer sind meist andere.

Der größte Exodus seit dem Zweiten Weltkrieg

Mehr als 700.000 Griechinnen und Griechen wanderten zwischen 2010 und 2019 aus – über 150 pro Tag auf dem Höhepunkt der Krise. Die Arbeitslosenquote lag im Frühjahr 2013 bei 27,5 Prozent, bei den 15- bis 24-Jährigen sogar bei 65 Prozent. Besonders betroffen waren gut ausgebildete Fachkräfte und Akademiker: Die Zahl der im Ausland tätigen griechischen Ärzte verdreifachte sich in den 2010er-Jahren. Hauptzielländer waren Deutschland und Großbritannien.

Steueranreize und Jobbörsen als Lockmittel

Seit 2019 versucht die Regierung, den Braindrain umzukehren. Rückkehrer zahlen sieben Jahre lang nur auf die Hälfte ihres Einkommens Steuern. Unternehmen erhalten Zuschüsse, um internationale Gehälter zu zahlen. Die Plattform Rebrain Greece dient als zentrale Jobbörse. Rekrutierungsveranstaltungen in London, New York, Düsseldorf und Stuttgart bringen Arbeitgeber mit Bewerbern zusammen. An der jüngsten Veranstaltung in London im Mai nahmen 3107 Interessenten teil; 35 große griechische Unternehmen führten Bewerbungsgespräche.

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Arbeitsministerin: 473.000 Rückkehrer

Arbeitsministerin Niki Kerameus erklärte, dass von 734.000 Ausgewanderten in 15 Jahren inzwischen 473.000 zurückgekehrt seien – fast zwei Drittel. „2024 überstieg die Zahl der Rückkehrer die der Auswanderer um rund 20.000 Personen“, so Kerameus. Damit sei aus dem Braindrain ein „Braingain“ geworden. Die Studie zeigt, dass mehr als die Hälfte der Rückkehrer zwischen 20 und 39 Jahre alt ist, rund 60 Prozent haben einen Hochschulabschluss, 47 Prozent arbeiten in hochqualifizierten Berufen.

Gehaltslücke bleibt groß

Trotz der Erfolge bleibt Griechenland bei den Gehältern wenig konkurrenzfähig. Laut Eurostat verdienen Fachkräfte durchschnittlich 43 Prozent weniger als im EU-Durchschnitt, bei Führungskräften beträgt der Rückstand 30 bis 35 Prozent. Dennoch zieht es viele zurück. Die OECD/EKT-Studie nennt die Familienzusammenführung als wichtigsten Grund. Eine Untersuchung von Kapa Research bestätigt: 82 Prozent der Rückkehrer nennen die Nähe zu Familie und Freunden als wichtigstes Motiv, 63 Prozent das mediterrane Klima und die Lebensqualität. Nur 16 Prozent gaben an, dass steuerliche Vergünstigungen ausschlaggebend waren.

Demografische Herausforderungen

Die Regierung verfolgt mit dem Programm auch demografische Ziele. Die Geburtenrate sank von 10,1 Geburten je 1000 Einwohner im Jahr 2007 auf 6,7 im vergangenen Jahr. Der Bevölkerungsschwund belastet langfristig die Rentensysteme und gefährdet das Wirtschaftswachstum, das Griechenland zum Abbau seiner hohen Staatsschulden benötigt. Die Rückkehr der Fachkräfte ist daher ein wichtiger Baustein für die Zukunft des Landes.

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