Rentenpläne: Wirtschaftsweise Grimm und DIW-Chef Fratzscher kritisieren mangelnde Tragfähigkeit
Rentenpläne: Grimm und Fratzscher kritisieren mangelnde Tragfähigkeit

Mehrere Fachleute haben die aktuellen Vorschläge der Rentenkommission zwar gelobt, halten sie jedoch nicht für ausreichend, um die langfristige Stabilität der gesetzlichen Rentenversicherung zu gewährleisten. Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm und DIW-Präsident Marcel Fratzscher äußerten deutliche Kritik an den Plänen der Bundesregierung.

Grimm: Bundesregierung hat sich in die falsche Richtung bewegt

Veronika Grimm, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, kritisierte gegenüber dem Handelsblatt die bisherige Rentenpolitik der Bundesregierung. „Das liegt nicht an der Kommission, sondern daran, dass sich die Bundesregierung mit den bisherigen Entscheidungen zur Rentenversicherung schon extrem weit in die falsche Richtung bewegt hat“, sagte Grimm. Sie bezog sich dabei auf die Rentenreform aus dem Jahr 2025, bei der die Mütterrente erweitert und ein Rentenniveau von 48 Prozent des Durchschnittseinkommens bis 2031 festgeschrieben wurde. „Um nun die Tragfähigkeit dauerhaft sicherzustellen, müsste man dies korrigieren und noch darüber hinausgehen“, so Grimm weiter. „Dazu braucht es leider viel mehr.“

Konkrete Forderungen: Rente mit 63 abschaffen und Minijobs reformieren

Grimm sprach sich klar für eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung aus und forderte die Abschaffung der Rente mit 63. Auch den von der Kommission vorgeschlagenen Wegfall von Minijobs unterstützt sie, „weil das die Arbeitsanreize für Geringverdiener massiv erhöhen würde“. Die geplante Kapitalsäule innerhalb der Rentenversicherung sieht die Ökonomin jedoch kritisch. Sie plädiert stattdessen für personalisierte Konten: „Nur wenn es individualisierte Konten gibt, sind die Erträge definitiv geschützt vor Übergriffen durch künftige politische Entscheidungen.“

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Fratzscher: Richtige Ideen, aber nicht weitgehend genug

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), bewertete die Vorschläge der Rentenkommission ebenfalls als richtig, aber nicht ausreichend. „Die Ideen der Kommission gehen in die richtige Richtung, aber sie sind nicht weitgehend genug, um eine langfristige Stabilisierung der Rentenfinanzen zu erreichen“, sagte Fratzscher. Er erwartet, dass ohne weitergehende Reformen die Beiträge zur Rentenversicherung bis 2045 auf über 24 Prozent steigen könnten. „Wichtige Fragen wie die Finanzierung der Mütterrente oder die Anpassung des Renteneintrittsalters bleiben ungelöst“, kritisierte der Ökonom.

Hintergrund: Rentenkommission legt Vorschläge vor

Die Rentenkommission hatte Ende Mai 2026 ein Paket mit mehreren Maßnahmen vorgelegt, darunter die Einführung einer Kapitalsäule, die schrittweise Abschaffung von Minijobs und eine moderate Anhebung des Renteneintrittsalters. Die Bundesregierung will die Vorschläge noch in diesem Jahr umsetzen. Experten warnen jedoch, dass die demografische Entwicklung und die alternde Bevölkerung langfristig deutlich höhere Belastungen für das Rentensystem mit sich bringen werden.

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