Potsdamer Stadtverordnete protestieren gegen Steuben-Denkmal-Umzug
Protest gegen Steuben-Denkmal-Umzug in Potsdam

13 weibliche Stadtverordnete der Fraktionen SPD, Grüne, Linke und Die Andere haben sich in einem Brief an die anderen Fraktionen und Rathauschefin Noosha Aubel (parteilos) gegen den geplanten Umzug des Steuben-Denkmals auf den neuen Steubenplatz am Landtagsschloss ausgesprochen. Sie sehen darin eine „unkritische Überhöhung soldatischer Disziplin aus dem 18. Jahrhundert“.

Kritik am Standort und Symbolik

Die Unterzeichnerinnen argumentieren, dass eine Aufstellung an diesem repräsentativen Eingang zur Stadt als erstes Signal vermitteln würde: „Ein Mann, ein Militär, mit den Fähigkeiten der preußischen Armee. Was sagt das über Potsdam heute?“ Selbst eine differenzierte Einordnung der historischen Figur Steubens mit erläuternden Informationstafeln ändere daran nichts: „Der Eindruck bleibt“, schreiben sie. Die Erstaufstellung 1911 am sogenannten Sedan-Tag, mit dem im Deutschen Kaiserreich jährlich der Sieg über Frankreich von 1871 gefeiert wurde, belege die ursprüngliche Intention.

Gegen den Kurs der Rathauschefin

Mit dem Brief wenden sich die Stadtverordneten gegen den Kurs von Rathauschefin Aubel, die für eine Versetzung auf den Steubenplatz plädiert. Die Fraktionärinnen lehnen einen solchen „patriarchal dominierten Denkmalkult des 19. Jahrhunderts“ ab. Ein solcher Schritt würde alle Bemühungen konterkarieren, durch unter anderem Straßennamen verdienter Frauen in der Potsdamer Mitte eine „sichtbare Parität auch im Umgang mit der Geschichte der Stadt herzustellen“.

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Berufung auf Fachgremium

Die Unterzeichnerinnen berufen sich auf das Fachgremium für Erinnerungskultur, das sich mehrheitlich gegen eine Aufstellung an dieser Stelle ausgesprochen habe. „Wenn wir den Steubenplatz neu denken, darf die Antwort für unsere moderne Stadtgesellschaft nicht die unkritische Überhöhung soldatischer Disziplin aus dem 18. Jahrhundert sein.“ Das Fazit des Briefes, der „mit feministischen Grüßen“ schließt: Der Steubenplatz solle „für eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit der Lokalgeschichte Potsdams, die auch die Perspektive und Errungenschaften von Frauen repräsentiert, frei bleiben“.

Appell an die Stadtpolitik

Zudem appellieren die 13 Stadtverordneten an die anderen Stadtpolitiker: „Lassen Sie nicht zu, dass ein solches Symbol im Herzen von Potsdam etabliert wird und die Gäste unserer Stadt mit einer solchen Ansage empfangen werden.“ Seit vielen Monaten wird das Thema kontrovers diskutiert. Erst kürzlich hatte der Bauausschuss alle Vorschläge zum Thema mit wechselnden Mehrheiten abgelehnt – sowohl die Versetzung auf den Steubenplatz als auch sämtliche Kompromissvorschläge. Am 1. Juli sollen die Stadtverordneten final entscheiden.

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