Bastian Schweinsteiger, Weltmeister von 2014, hat sich im Interview zur aktuellen Situation der deutschen Nationalmannschaft geäußert. Der 41-Jährige sieht Aleksandar Pavlovic als zukünftigen Führungsspieler beim DFB und betont die Bedeutung eines starken Bayern-Blocks für den Erfolg bei der anstehenden Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada.
Vorfreude auf die WM
Schweinsteiger, der die WM 1990 als erstes Turnier verfolgte, freut sich sehr auf das Großereignis. „Für mich war die WM immer das Größte“, sagt er. Als Experte genieße er den Blick hinter die Kulissen, den er als Spieler nicht hatte. „Davon bekommst du in der Spielerblase nicht viel mit. Auch nach den Sendungen kann ich abseits des Stadions alles intensiver erleben, sei es in der Interaktion mit Fans oder mit ehemaligen Fußballern.“
Fußball in den USA
Der ehemalige Mittelfeldspieler, der selbst für Chicago Fire spielte, lobt die Begeisterung der Amerikaner für den Sport. „Jedes Spiel ist ein Event. Wir hatten bei jedem Spiel Feuerwerk und es wurde die Hymne gespielt.“ Für Soccer sei die WM eine riesige Chance, sich Basketball oder Football anzunähern. Die US-Nationalmannschaft müsse den Heimvorteil nutzen, um einen Hype zu entfachen.
Klimatische Herausforderungen
Die klimatischen Bedingungen in den USA werden auch für Schweinsteiger als Experten anstrengend. „Die Spielzeiten sind schon ein bisschen anders. Wenn man am Mittag in Houston spielen muss, schaut man als Spieler schon noch zehn Minuten auf die Uhr.“ Die Nationalmannschaft habe durch die Anpassung an die Bedingungen einen Vorteil.
Vorbereitung als Experte
Schweinsteiger bereitet sich intensiv vor: „Ich schaue viel Fußball, unter anderem habe ich mir Deutschland gegen Ghana angeschaut. Während des Turniers versuche ich, so viele Spiele wie möglich zu schauen.“ Er räumt ein, dass es schwierig sei, alle Spieler zu kennen, ähnlich wie 2014 vor dem Spiel gegen Algerien.
Emotionale Turniere
Die WM 2014 war für Schweinsteiger besonders emotional, da er mit der Mannschaft nach jahrelangem Kampf den Titel holte. Aber auch die WM 2006 in Deutschland bleibt ihm in Erinnerung: „Wir haben uns als Land so präsentiert, dass die anderen Nationen uns anders wahrgenommen haben. Wayne Rooney und Zlatan Ibrahimovic sagten mir, dass es das schönste Turnier war, das sie gespielt haben – und sie haben nicht gewonnen!“
Chancen der DFB-Elf
Für die aktuelle Nationalmannschaft sieht er das Halbfinale als Erfolg an. „Es kann aber auch schon davor Schluss sein, wenn wir im Achtelfinale einen echten Brocken wie Frankreich erwischen.“ Wichtig sei, gut ins Turnier zu kommen und sich gegen Widrigkeiten zu stemmen. „Wenn man bei einem Turnier Erfolg haben möchte, muss man davor schon seine Arbeit machen.“
Vergleich mit 2014
Schweinsteiger sieht Spieler auf Weltklasseniveau wie Joshua Kimmich, Jamal Musiala, Aleksandar Pavlovic und Florian Wirtz. Der große Unterschied zu 2014 sei die Konstanz und der Leistungsabfall. „Argentinien war 2022 vor dem Titelgewinn 20 Spiele ungeschlagen, bei Italien und Spanien war es das Gleiche.“ Mannschaftliche Geschlossenheit sei entscheidend, wie 2014, als der Bayern-Block das Gerüst bildete.
Bedeutung des Bayern-Blocks
Der Bayern-Block sei enorm wichtig für das Abschneiden bei der WM. „Aus der Historie heraus ist es auf jeden Fall wichtig. Wenn sie diesen positiven Schwung mitnehmen, kann es eine Säule sein.“ Ein Risiko durch die anstrengende Saison sieht er nicht: „Für mich persönlich wäre es ein Push. Sie müssen gesund und physisch fit zu diesem Turnier reisen.“
Führungsspieler und Neuer
Als Führungsspieler nennt Schweinsteiger zuerst Kimmich, aber auch Pavlovic wünscht er sich in dieser Rolle. „Er hat sich bei den Bayern super entwickelt und spielt dort eine zentrale Rolle.“ Weitere Führungsspieler seien Leon Goretzka, Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck. Musiala und Wirtz hätten mit ihrer Kreativität das Potenzial, Verantwortung zu übernehmen. Trotz der Entscheidung gegen Manuel Neuer würde Schweinsteiger ihn gerne bei der WM sehen: „Manu ist mit seiner aktuellen Verfassung ganz vorne dabei. Ginge es nach mir, wäre er bei der WM dabei.“



