Speyer (Rheinland-Pfalz) – Die Stadt Speyer wird von der Wirtschaftskrise besonders hart getroffen. Innerhalb von nur drei Wochen stehen mehr als 1200 Arbeitsplätze auf der Kippe. Nachdem bereits der Filterhersteller Mann+Hummel angekündigt hatte, 600 Stellen zu streichen, will nun der Elektronik-Spezialist TE Connectivity die Produktion bis Ende 2028 schrittweise beenden. 630 Arbeitsplätze sind betroffen.
Begründung des Unternehmens
TE Connectivity stellt Steckverbindungen und Sensoren unter anderem für die Automobilindustrie her. Den Stellenabbau begründet die Firma mit einer schwachen Nachfrage sowie anhaltendem Kosten- und Wettbewerbsdruck. Erhalten bleiben sollen lediglich 140 Arbeitsplätze in Engineering- und Verwaltungsfunktionen.
Gewerkschaft kritisiert Entscheidung
Yves Geiger, Vorsitzender des Stadtverbandes Speyer im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), erklärt gegenüber BILD: „Der angekündigte Stellenabbau geschieht nicht aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Vielen Unternehmen ist es offenbar wichtiger, immer höhere Gewinne zu erzielen – ohne Rücksicht auf ihre soziale Verantwortung.“ Für den Gewerkschafter ist das eine „Schweinerei“. Die Entscheidung der TE-Chefetage habe zudem weitere Folgen: „Daran hängen weitere Jobs bei Zulieferer-Firmen.“
Oberbürgermeisterin schlägt Alarm
Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) kritisiert die Vorgehensweise der beiden Konzerne scharf. Es gehe um „Familien, in denen jetzt die Existenzfrage am Tisch sitzt. Und es hinterlässt eine Stadt, die seit Jahrzehnten zuverlässig die Voraussetzungen für industrielle Wertschöpfung geschaffen hat“, sagt sie. Sie sieht Landes- und Bundesregierung in der Verantwortung: Die kommunale Ebene allein könne das Tempo des Strukturwandels, vor allem in der Autoindustrie, nicht abfangen.
Produktion wird verlagert
Die Produktion von TE Connectivity soll in andere Werke verlagert werden, berichtet „Die Rheinpfalz“. Es gehe um Wört/Dinkelsbühl in Bayern, aber auch um Indien, Belgien, Tschechien und Marokko. Mitarbeiter, die das Unternehmen einvernehmlich verlassen, würden finanziell unterstützt.
Krise in der Automobilbranche
Die gesamte Branche steckt in einer schweren Krise. Der Autozulieferer Bayrak hat gerade Insolvenz angemeldet. Dort bangen mehr als 400 Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze in Niedersachsen und Hessen. Der Autozulieferer und Kunststoffteile-Hersteller MoldTecs hat ebenso einen Insolvenzantrag gestellt, 180 Mitarbeitern im niedersächsischen Werk droht die Kündigung. Am Standort Sonneberg (Thüringen) fürchten rund 400 Mitarbeiter um ihre Zukunft. Nicht einmal Autohäuser bleiben verschont: Im Süden ging gerade ein Autohaus pleite, das viele Filialen an diversen Standorten betreibt.



