„Ich hab ja schon wieder soo viel zu tun“ oder „Ich komme vor lauter Calls zu gar nichts“ – solche Aussenzen sind in vielen Büros alltäglich. Manche Beschäftigte betonen ständig, wie extrem gestresst sie sind, und tragen ihre Belastung wie ein Ehrenabzeichen. Dieses Verhalten wird als „Stress-Bragging“ bezeichnet, also das Prahlen mit der eigenen Arbeitslast.
Negative Reaktionen im Team
Doch wer sich davon Vorteile erhofft – etwa Entlastung, Lob oder Anerkennung – liegt meist falsch. Laut Arbeitspsychologe Hannes Zacher, der sich auf eine Studie aus dem Jahr 2024 bezieht, kommt Stress-Bragging im Team schlecht an. Kolleginnen und Kollegen distanzieren sich eher, weil das Verhalten häufig Überforderung signalisiert. Die Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Personnel Psychology“, zeigt, dass Personen, die ihren Stresslevel übermäßig kommunizieren, als weniger kompetent und weniger sympathisch wahrgenommen werden.
Weniger Unterstützung im Arbeitsalltag
Diese negative Wahrnehmung kann dazu führen, dass die betroffenen Mitarbeiter weniger Unterstützung von ihren Kollegen erhalten. Statt Verständnis oder Hilfe zu bekommen, riskieren sie Ablehnung. Zudem hat Stress-Bragging einen weiteren negativen Nebeneffekt: Es kann das gesamte Team belasten. Die Studie belegt, dass Menschen, die sich häufig anhören müssen, wie andere mit ihrem Stress angeben, selbst stärker gestresst sind. Dies kann die Teamdynamik und die Produktivität beeinträchtigen.
Warum Stress-Bragging selten Anerkennung bringt
Arbeitspsychologen raten daher, auf Stress-Bragging zu verzichten und stattdessen offen über konkrete Belastungen zu sprechen, um gemeinsam Lösungen zu finden. Wer seinen Stress als Statussymbol nutzt, erntet oft das Gegenteil von dem, was er erreichen möchte.



