Zähe Verhandlungen führen zu Tarifeinigung für Beschäftigte der Länder
Nach monatelangen, äußerst schwierigen Verhandlungen haben sich die Gewerkschaften Ver.di und der Deutsche Beamtenbund (dbb) mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Die rund 925.000 Tarifbeschäftigten im öffentlichen Dienst der Bundesländer erhalten damit in drei Stufen insgesamt 5,8 Prozent mehr Gehalt. Die Vereinbarung läuft bis zum 31. Januar 2028 und beendet den monatelangen Tarifkonflikt.
Konkrete Verbesserungen für Beschäftigte
Die Gehaltserhöhung soll nach Gewerkschaftsangaben mindestens 100 Euro monatlich betragen, für Nachwuchskräfte sogar 150 Euro. Ein zentraler Punkt der Einigung ist die Ost-West-Angleichung bei Arbeitsbedingungen. Künftig gelten im Osten die gleichen Regelungen zum Kündigungsschutz wie im Westen. Zudem wird die Arbeitszeit an den drei ostdeutschen Unikliniken in Rostock, Greifswald und Jena reduziert.
Verhandlungen bis an die Grenzen des Machbaren
Ver.di-Verhandlungsführer Frank Werneke beschrieb die Gespräche als „so schwierig wie lange nicht mehr“. Die Gewerkschaften hatten ursprünglich sieben Prozent mehr Einkommen und mindestens 300 Euro monatlich gefordert, während die Arbeitgeber zunächst von „mehr als fünf Prozent“ sprachen. TdL-Verhandlungsführer Andreas Dressel betonte: „Es geht für uns an die Grenzen des finanziell Machbaren.“ Die Gesamtkosten für die Länder belaufen sich einschließlich der Übertragung auf Beamte und Pensionäre auf 12,34 Milliarden Euro.
Breite Betroffenheit und Planungssicherheit
Von der Tarifeinigung profitieren zahlreiche Berufsgruppen:
- Beschäftigte in Straßenmeistereien
- Mitarbeiter an Universitätskliniken
- Gefängnisbeschäftigte
- IT-Fachkräfte
- Tierpfleger
- Erzieherinnen
- Lehrkräfte
Wenn der Abschluss wie üblich auf die mehr als 1,3 Millionen Beamten und Pensionäre übertragen wird, sind insgesamt 2,2 Millionen Menschen betroffen. Für die Bundesländer bedeutet die Einigung wichtige Planungssicherheit für die kommenden Jahre.
Intensive Verhandlungen bis in die Nacht
Die dritte und letzte Verhandlungsrunde, die eigentlich am Freitag enden sollte, zog sich bis zum Samstag hin. Beteiligte sprachen von „sehr zähen Verhandlungen mit wenig Schlaf“. In Potsdam berieten die Gewerkschaftsführungen stundenlang hinter verschlossenen Türen, bevor sie das Ergebnis präsentierten. Für die Gewerkschaften war ein schlechterer Abschluss als beim öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen unannehmbar – dort waren im vergangenen Jahr ebenfalls 5,8 Prozent erreicht worden.
Mit dieser Einigung sind weitere Warnstreiks oder gar unbefristete Arbeitsniederlegungen vom Tisch. Die Beschäftigten können sich auf konkrete Gehaltsverbesserungen und bessere Arbeitsbedingungen freuen, während die Länder ihre Haushalte für die kommenden Jahre planen können.



