Tarifeinigung bringt 5,8 Prozent mehr Gehalt für öffentlichen Dienst der Länder
Nach langwierigen und intensiven Verhandlungen haben sich die Gewerkschaften Verdi und der Beamtenbund dbb mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Der Abschluss sieht eine Gehaltssteigerung von insgesamt 5,8 Prozent in drei Stufen vor und hat eine Laufzeit von 27 Monaten bis zum 31. Januar 2028.
Finanzministerin Wolf bewertet Kompromiss als ausgewogen
Thüringens Finanzministerin Katja Wolf (BSW) bezeichnet den Tarifabschluss als einen ausgewogenen Kompromiss, der finanziell verkraftbar sei. „Ein vernünftiges Ergebnis, das durch den Thüringer Landeshaushalt abgedeckt werden kann“, erklärte Wolf in Erfurt. Besonders erfreut zeigte sie sich über die Vereinbarung zur Ost-West-Angleichung bei den Arbeitszeiten für Universitätskliniken, die 36 Jahre nach der Wiedervereinigung erfolgt.
Die Tariferhöhung bringt für den Thüringer Landeshaushalt finanzielle Mehrbelastungen in zweistelliger Millionenhöhe pro Jahr. Konkret entstehen in diesem Jahr rund 35 Millionen Euro Mehrausgaben für Personal, 2027 etwa 71 Millionen Euro und 2028 circa 95,5 Millionen Euro.
Detaillierte Regelungen zu Gehaltssteigerungen und Arbeitszeiten
Die Gehaltserhöhungen erfolgen in drei Schritten:
- Ab Anfang April 2026: 2,8 Prozent mehr, mindestens jedoch 100 Euro monatlich
- Zum 1. März 2027: weitere 2,0 Prozent
- Zum 1. Januar 2028: zusätzliche 1,0 Prozent
Für Beschäftigte an Universitätskliniken, darunter die in Jena und Rostock, sinkt die Arbeitszeit ab dem 1. Januar 2027 in drei Schritten von 40 auf 38,5 Stunden pro Woche. Auch beim erweiterten Kündigungsschutz wurden Ost-West-Unterschiede abgeschafft.
Weitere Verbesserungen und politische Forderungen
Die Entgelte für Auszubildende und dual Studierende steigen ebenfalls:
- Ab 1. März 2026: 60 Euro mehr
- Ein Jahr später: weitere 60 Euro mehr
- Zum 1. Januar 2028: zusätzliche 30 Euro
Zudem erhöhen sich die Zulagen deutlich: Die Schichtdienstzulage steigt auf monatlich 100 Euro, die Wechselschichtzulage auf 200 Euro monatlich und in Krankenhäusern sogar auf 250 Euro.
Die SPD-Landtagsfraktion in Thüringen fordert unter der Finanzpolitikerin Janine Merz, die Tariferhöhung „zügig und vollständig auf die Beamtinnen und Beamten in Thüringen zu übertragen“, insbesondere für Lehrkräfte und Polizei. Eine solche Übertragung bedarf der Zustimmung des Landtags.
Schwierige Verhandlungen und Warnstreiks
Die Tarifverhandlungen gestalteten sich nach Aussage von Verdi-Verhandlungsführer Frank Werneke „so schwierig wie lange nicht mehr“. Am Universitätsklinikum Jena waren die Beschäftigten während der Verhandlungen mehrfach in Warnstreiks getreten, um ihre Forderungen zu unterstreichen.
Der nun erzielte Abschluss stellt einen wichtigen Schritt zur Personalgewinnung und -bindung im öffentlichen Dienst dar, insbesondere durch die verbesserten Bedingungen für das Klinikpersonal und die Auszubildenden.



