Tarifverhandlungen in Sachsen-Anhalts Ernährungsindustrie erneut gescheitert
Tarifverhandlungen in Ernährungsindustrie gescheitert

Tarifverhandlungen in der Ernährungsindustrie Sachsen-Anhalts erneut ohne Einigung

Die zweite Verhandlungsrunde für die Beschäftigten der Ernährungsindustrie in Sachsen-Anhalt ist am Donnerstag in Barleben ergebnislos zu Ende gegangen. Sowohl der Arbeitgeberverband der Ernährungswirtschaft (VdEW) als auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) trennten sich ohne eine tarifliche Vereinbarung. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 30. April 2026 geplant, wie der VdEW mitteilte.

Angebot der Arbeitgeber wird konkretisiert

Die Arbeitgeber hatten bereits in der ersten Verhandlungsrunde Ende Januar ein Angebot vorgelegt, das eine Lohnerhöhung von insgesamt rund zehn Prozent in vier Stufen bis zum Jahr 2029 vorsah. In der zweiten Runde wurde dieses Angebot nun weiter konkretisiert. Demnach könnten die Löhne ab Juli 2026 je nach Tarifgruppe real um etwa 2,9 bis 3,5 Prozent steigen. Zusätzlich wurde eine mögliche Erhöhung der betrieblichen Altersvorsorge in die Gespräche eingebracht.

Vehid Alemić, Hauptgeschäftsführer des VdEW, kritisierte jedoch, dass die Gewerkschaft NGG das Angebot abgelehnt habe, ohne einen eigenen Gegenvorschlag vorzulegen. „Wer Gespräche verzögert, verzögert am Ende auch die Tariferhöhung“, erklärte Alemić und betonte die Dringlichkeit einer Einigung.

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Gewerkschaft kritisiert anhaltende Lohnunterschiede

Die Gewerkschaft NGG wies die Darstellung der Arbeitgeber zurück und hält das Angebot für nicht ausreichend. Uwe Ledwig, Vorsitzender der NGG im Osten und Verhandlungsführer für Sachsen-Anhalt, erklärte, dass nach zwei Verhandlungsrunden weiterhin „kein verhandlungsfähiges Angebot“ vorliege. Die Arbeitgeber seien nicht bereit, die Löhne in den ostdeutschen Betrieben auf das Niveau westdeutscher Schwesterbetriebe anzuheben.

Ledwig verwies auf erhebliche Lohnunterschiede, die auch 36 Jahre nach dem Mauerfall bestehen. Diese betragen zu westdeutschen Vergleichsbetrieben oder ähnlichen Branchen zwischen 273 und 2.274 Euro im Monat. Diese Diskrepanz stellt nach Ansicht der Gewerkschaft ein zentrales Hindernis für eine Einigung dar.

Betroffene Beschäftigte und weitere Schritte

Verhandelt wird für die Beschäftigten der Ernährungsindustrie in Sachsen-Anhalt, wobei die Angaben zur Anzahl der betroffenen Arbeitnehmer variieren. Der Arbeitgeberverband spricht von rund 5.000 Beschäftigten, während die Gewerkschaft von gut 3.000 ausgeht. Zu den betroffenen Unternehmen gehört unter anderem Rotkäppchen, das zur Tarifgemeinschaft der Ernährungsindustrie in Sachsen-Anhalt zählt.

Die nächste Verhandlungsrunde am 30. April 2026 wird entscheidend sein, um die festgefahrenen Positionen zu überwinden. Beide Seiten betonen die Notwendigkeit einer Lösung, doch die Gewerkschaft pocht auf eine Angleichung der Löhne an das Westniveau, während die Arbeitgeber ihr aktuelles Angebot als angemessen erachten.

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