Top-Ökonom warnt: Teilzeitfalle bei Frauen kostet uns Milliarden
Deutschland verschenkt enormes wirtschaftliches Potenzial, weil zu viele Frauen in Teilzeit arbeiten. Das kritisiert Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Der Anteil der erwerbstätigen Frauen in Teilzeit liege bei 50 Prozent. Dadurch bleibe ein riesiges Potenzial ungenutzt, das dem Land Wohlstand koste.
Hunderte Tausend Vollzeitkräfte möglich
Fratzscher rechnet vor: Wenn Hürden abgebaut würden, könnten mehrere Hunderttausend Vollzeitkräfte zusätzlich gewonnen werden. Das wäre nicht nur ein Gewinn für die Wirtschaft, sondern auch für die Rentenversicherung. Eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen sei das effektivste Instrument, um das Rentensystem in den nächsten 15 bis 20 Jahren zu stabilisieren.
EU-Prognose: BIP-Wachstum bis zu 10 Prozent
Berechnungen der EU zeigen, dass mehr Gleichstellung das Bruttoinlandsprodukt bis 2050 um bis zu zehn Prozent steigern könnte. Fratzscher hält das für realistisch. „Wenn wir die Erwerbsbeteiligung von Frauen erhöhen, profitieren alle“, betont er. „Der Gesellschaft als Ganzes entsteht großer wirtschaftlicher Schaden, wenn Frauen Chancen verwehrt bleiben.“
Hürden: Betreuung, Steuern, Minijobs
Die Hindernisse sind vielfältig: Es fehlt an Kita- und Schulplätzen. Das Ehegattensplitting und die kostenlose Mitversicherung machen Arbeit für viele Frauen finanziell unattraktiv. Zudem seien Minijobs eine Falle. Fratzscher kritisiert, die Politik vernachlässige das Thema – „vielleicht sogar absichtlich“. Sein Fazit: „Wir schießen uns wirtschaftlich selbst ins Knie.“



