Öffentlicher Nahverkehr in Deutschland durch Verdi-Warnstreiks massiv beeinträchtigt
Die Gewerkschaft Verdi setzt ihre Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) fort und hält damit den Verkehr in mehreren Bundesländern in Atem. In Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Sachsen-Anhalt stehen Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen weitgehend still. Diese koordinierten Arbeitsniederlegungen stellen bereits den dritten großflächigen Arbeitskampf in den parallel laufenden Tarifverhandlungen dar, mit denen Verdi den Druck auf die Arbeitgeber deutlich erhöhen will.
Hamburg kündigt bereits nächsten Streik an
Besonders betroffen ist die Hansestadt Hamburg, wo Verdi während des laufenden Warnstreiks bereits den nächsten Ausstand für den kommenden Samstag angekündigt hat. Geplant ist ein 24-stündiger Streik sowohl bei der Hamburger Hochbahn als auch bei der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH). Die Gewerkschaft begründet diese Eskalation mit festgefahrenen Tarifverhandlungen und dem Sparkurs des rot-grünen Senats. Obwohl beide Seiten zuletzt ihre Forderungen leicht angepasst hatten, blieb eine Einigung aus.
Lage in Nordrhein-Westfalen und Bayern
In Nordrhein-Westfalen blieben zahlreiche Busse und Stadtbahnen in den Depots stehen, lediglich einzelne Linien privater Betreiber waren unterwegs. Auch am Samstag müssen Fahrgäste in diversen Städten mit Einschränkungen rechnen. Allerdings sollen die Warnstreiks in NRW ab Dienstag vorerst pausieren, da Verdi während der anstehenden dritten Verhandlungsrunde keine neuen Arbeitskampfmaßnahmen plant.
In Bayern kam der Nahverkehr vielerorts zum Erliegen. Die Stadtwerke Augsburg meldeten, dass Busse und Straßenbahnen des Kommunalunternehmens in den Depots geblieben sind. Ähnliche Situationen wurden aus anderen bayerischen Städten gemeldet.
Sachsen-Anhalt und andere Bundesländer
Bis Sonntag müssen Fahrgäste in Sachsen-Anhalt, insbesondere in Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau, erhebliche Einschränkungen einplanen. In Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein gibt es hingegen bereits Einigungen zwischen den Tarifparteien. In Hessen wurde ein Kompromiss erzielt, über den die Gewerkschaftsmitglieder nun befragt werden.
Verhandlungsstand und Forderungen
Bei den Berliner Verkehrsbetrieben, dem größten Nahverkehrsunternehmen Deutschlands, beginnt heute die nächste Verhandlungsrunde. Christine Behle, Vize-Vorsitzende von Verdi, äußerte sich kürzlich enttäuscht: „In vielen Ländern stehen wir – im vierten Monat der Tarifrunde – leider immer noch am Anfang.“ Die Arbeitgeber verweisen hingegen auf schwierige wirtschaftliche Zeiten.
In den meisten Bundesländern verhandeln die Tarifparteien über bessere Arbeitsbedingungen im Rahmen der sogenannten Manteltarifverträge. Diese regeln unter anderem:
- Arbeitszeitmodelle
- Pausenlängen
- Freizeit zwischen den Schichten
In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn werden zusätzlich höhere Löhne und Gehälter diskutiert. Verschont von Arbeitskämpfen blieb bisher vor allem Niedersachsen, wo bis Ende März eine Friedenspflicht gilt.



