Die private XU Exponential University of Applied Sciences in der Potsdamer Medienstadt Babelsberg hat Insolvenz angemeldet. Wie die Hochschule über eine Kommunikationsagentur mitteilte, hat sie sich „unter den Schutz des Insolvenzrechts begeben“ und durch das Amtsgericht Potsdam „vorläufige Sicherungsmaßnahmen anordnen“ lassen. Der Verfahrensbeginn war laut Gericht der 18. Juni.
Gehälter nur bis Anfang September gesichert
Die finanzielle Schieflage der privaten Hochschule ist gravierend. Nach Informationen des Tagesspiegel sind die Gehälter der Mitarbeiter nur noch bis Anfang September gesichert. Die Hochschule selbst bestätigte dies auf Nachfrage. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, eine Lösung zu finden“, erklärte ein Sprecher.
Hochschule wirbt weiter um Studierende
Trotz der Insolvenz wirbt die XU Exponential University weiter um neue Studierende. Auf der Webseite werden noch Studiengänge wie „Digitale Transformation“ und „Künstliche Intelligenz“ beworben. Die Hochschule hofft auf einen Befreiungsschlag durch Investoren. „Wir sind in Gesprächen mit potenziellen Geldgebern“, so der Sprecher. Ob die laufenden Studiengänge fortgesetzt werden können, ist ungewiss.
Hintergrund: Private Hochschule in finanzieller Not
Die XU Exponential University wurde 2018 gegründet und bot bislang praxisnahe Studiengänge in den Bereichen Digitalisierung und Technologie an. Die Hochschule finanzierte sich hauptsächlich über Studiengebühren, die bei rund 10.000 Euro pro Jahr lagen. In den vergangenen Jahren waren die Studierendenzahlen jedoch rückläufig, was zu Liquiditätsproblemen führte. Bereits im vergangenen Jahr gab es Berichte über Zahlungsschwierigkeiten.
Das Amtsgericht Potsdam hat einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Dieser prüft nun die wirtschaftliche Lage der Hochschule und mögliche Sanierungsoptionen. „Wir werden alles daran setzen, den Studienbetrieb so lange wie möglich aufrechtzuerhalten“, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter. Ob dies gelingt, hängt von der Bereitschaft der Investoren ab, frisches Kapital zur Verfügung zu stellen.
Auswirkungen auf Studierende und Mitarbeiter
Für die rund 200 Studierenden der XU Exponential University ist die Situation belastend. Viele fragen sich, ob sie ihr Studium fortsetzen können. „Wir informieren die Studierenden regelmäßig über den aktuellen Stand“, so die Hochschulleitung. Auch die etwa 30 Mitarbeiter sind verunsichert. Die Gehälter sind nur noch bis Anfang September gesichert, danach droht die Zahlungsunfähigkeit.
Die Hochschule appelliert an die Politik, private Hochschulen stärker zu unterstützen. „Wir brauchen eine verlässliche Finanzierung, um solche Krisen zu vermeiden“, sagte der Sprecher. Das Brandenburger Wissenschaftsministerium zeigte sich bisher zurückhaltend. Man beobachte die Entwicklung, aber eine staatliche Rettung sei nicht vorgesehen.



