Zalando-Streit in Erfurt: Arbeitsgericht ordnet Einigungsstelle für Logistik-Schließung an
Zalando: Einigungsstelle für Erfurter Logistik-Schließung

Zalando-Streit in Erfurt: Arbeitsgericht ordnet Einigungsstelle für Logistik-Schließung an

Im anhaltenden Konflikt um die Schließung des großen Zalando-Logistikzentrums in Erfurt mit rund 2.700 Beschäftigten hat das Arbeitsgericht Erfurt eine bedeutende Entscheidung getroffen. Das Gericht ordnete die Einberufung einer Einigungsstelle an, nachdem der Internet-Modehändler diesen Schritt beantragt und das Gericht angerufen hatte. Diese Entwicklung folgt auf die überraschende Ankündigung Zalandos, den Standort zu schließen, was bei der Belegschaft und in der Region für erhebliche Unruhe sorgte.

Gericht begründet Entscheidung mit gescheiterten Verhandlungen

Das Arbeitsgericht Erfurt begründete seine Entscheidung damit, dass Zalando aus seiner Sicht erklärt habe, die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan und Interessenausgleich seien gescheitert. Der Versuch, einen zeitlichen Verhandlungsplan aufzustellen, sei in absehbarer Zeit nicht möglich gewesen, argumentierte das Unternehmen. Dieser Punkt war zwischen Unternehmen und Betriebsrat strittig, da der Betriebsrat zunächst detaillierte Gründe für die geplante Komplettaufgabe des Standorts Erfurt vom Arbeitgeber erfahren wollte.

Ex-Staatssekretär Molkenbur leitet Schlichtungsinstanz

Die Einigungsstelle soll aus jeweils vier Beisitzern bestehen, die die beiden Parteien vertreten. Zum Vorsitzenden wurde nach Gerichtsangaben der ehemalige Richter und Justizstaatssekretär Josef Molkenbur aus Sachsen-Anhalt bestimmt. Nach Angaben des Erfurter Arbeitsrichters Philipp Mesters kann gegen die Entscheidung Beschwerde beim Thüringer Landesarbeitsgericht eingereicht werden. Diese Schlichtungsinstanz ist im Arbeitsrecht vorgesehen, wenn sich Betriebsrat und Arbeitgeber in wichtigen Fragen nicht verständigen können.

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Proteste und politische Kritik begleiten den Prozess

An einer Protestaktion vor dem Gerichtsgebäude beteiligten sich etwa 50 Menschen, darunter auch Arbeitnehmervertreter, die ihre Besorgnis über den Verlust von Arbeitsplätzen und die mangelnde Transparenz im Prozess zum Ausdruck brachten. Die Schließung des Logistikzentrums, die für Ende September geplant ist, wird auch von der Thüringer Landesregierung kritisiert. Mit dem Standort Erfurt war der Dax-Konzern Zalando in den vergangenen Jahren groß geworden, was die Entscheidung besonders kontrovers macht.

Hintergrund: Neuausrichtung nach About-You-Übernahme

Grund für die Schließung ist nach Unternehmensangaben eine Neuausrichtung des konzerneigenen europaweiten Logistiknetzwerks nach der Übernahme des Online-Modehändlers About You im Jahr 2025. Diese strategische Anpassung führt zu erheblichen Umstrukturierungen, die nun im Fokus der Einigungsstelle stehen werden. Die Einrichtung dieser Schlichtungsinstanz markiert einen kritischen Punkt in den Auseinandersetzungen, der über die Zukunft der betroffenen Mitarbeiter und den Umgang mit großen Standortschließungen in Deutschland entscheiden könnte.

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