Edelman-Studie 2026: Zukunftspessimismus und gesellschaftliche Spaltung bremsen deutsche Wirtschaft
Zukunftspessimismus bremst deutsche Wirtschaft laut Studie

Edelman Trust Barometer 2026: Zukunftspessimismus belastet Standort Deutschland

Die deutsche Wirtschaft steht nicht nur vor strukturellen Herausforderungen, sondern muss sich auch mit einer tiefgreifenden Vertrauenskrise in der Bevölkerung auseinandersetzen. Laut dem aktuellen Edelman Trust Barometer 2026 wird der wachsende Zukunftspessimismus zunehmend zu einer Bremse für Produktivität und wirtschaftliche Transformation. Die Studie zeigt alarmierende Entwicklungen auf, die den Wirtschaftsstandort Deutschland belasten.

Arbeitgeber als einzige vertrauenswürdige Institution

Während das Vertrauen in die Wirtschaft allgemein stagniert, wächst dem eigenen Arbeitgeber eine Schlüsselrolle zu. Mit 74 Prozent Vertrauen unter Beschäftigten ist der eigene Arbeitgeber die einzige Institution in Deutschland, die eine klare Vertrauensmehrheit erreicht, heißt es in der Untersuchung. Andere Bereiche liegen deutlich unter diesem Wert:

  • Vertrauen in die Wirtschaft allgemein: 48 Prozent
  • Vertrauen in Medien: 46 Prozent
  • Vertrauen in die Regierung: 42 Prozent
  • Vertrauen in Nichtregierungsorganisationen: 41 Prozent

Unternehmen werden damit zu Orten, an denen Vertrauen konkret erlebt wird – durch Führung, Unternehmenskultur und tägliche Zusammenarbeit.

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Dramatischer Pessimismus und wirtschaftliche Ängste

Der Glaube an den wirtschaftlichen Aufstieg ist in Deutschland so schwach ausgeprägt wie selten zuvor. Nur noch 8 Prozent der Menschen gehen davon aus, dass es der nächsten Generation besser gehen wird als der heutigen – ein Rückgang um sechs Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Damit verzeichnet Deutschland einen der niedrigsten Werte weltweit.

Dieser Pessimismus wird von konkreten wirtschaftlichen Ängsten getrieben:

  1. Mehr als jeder zweite Arbeitnehmer (54 Prozent) fürchtet den Verlust des eigenen Arbeitsplatzes durch eine drohende Rezession
  2. Die Sorge, dass internationale Handelskonflikte und Zölle dem eigenen Unternehmen schaden könnten, ist seit 2019 um elf Prozentpunkte gestiegen und liegt nun bei 45 Prozent

Gesellschaftliche Spaltung als Produktivitätsrisiko

Die Studie identifiziert ein neues wirtschaftliches Risiko: die sogenannte Abschottung. 81 Prozent der Deutschen geben an, Menschen kaum noch zu vertrauen, die andere Werte vertreten oder andere Informationsquellen nutzen. Diese Haltung macht vor den Werkstoren nicht halt und hat direkte negative Auswirkungen auf die betriebliche Wertschöpfung.

Die Daten zeigen alarmierende Tendenzen für die Unternehmenskultur:

  • 45 Prozent der Beschäftigten geben an, dass sie sich weniger anstrengen würden, ihrem Teamleiter zum Erfolg zu verhelfen, wenn dieser andere politische Ansichten vertritt
  • Fast ein Drittel (32 Prozent) würde lieber die Abteilung wechseln, als an einen Vorgesetzten mit anderen Wertvorstellungen zu berichten

Wenn 81 Prozent der Menschen Vertrauen vor allem im eigenen Kreis zulassen, ist Abschottung keine abstrakte Debatte mehr, sondern gesellschaftliche Realität, sagte Nils Giese, CEO von Edelman Deutschland. Unüberbrückbare Differenzen drohten somit, Innovationen zu blockieren und die Zusammenarbeit in Teams zu lähmen.

Für die Studie wurden 34.000 Menschen in 28 Ländern befragt, darunter 1.200 in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie sehr Zukunftspessimismus und gesellschaftliche Spaltung den Wirtschaftsstandort Deutschland belasten und die Produktivität beeinträchtigen.

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