Zukunftstag bei der EGP: Jugendliche als Lokführer am Simulator
Zukunftstag: Lokführer gesucht bei der EGP in Wittenberge

Gegen 9 Uhr morgens stehen an diesem Donnerstag rund 20 Jugendliche vor den Toren des Historischen Lokschuppens in Wittenberge. Ihr Ziel sind aber nicht die Museumsbahnen, sondern die noch aktiven Lokomotiven: Die Eisenbahngesellschaft Potsdam (EGP), die in Wittenberge ihren Knotenpunkt für Güterverkehr, Logistik und Warenumschlag hat, öffnet an diesem Tag ihre Türen.

Am Simulator einmal Lokführer sein

Anlässlich des Zukunftstags für Mädchen und Jungen in Brandenburg, bei dem Schüler die Möglichkeit haben, in Berufe hineinzuschnuppern, ist die EGP seit vier Jahren mit dabei. Und nach einer kurzen Einführung, in der sich das Unternehmen vorstellt, geht es in drei Gruppen durch die Werkshallen, in denen die Lokomotiven gewartet werden. Dabei erfahren die Jugendlichen, dass ein Zug, der den Elbeport in Wittenberge verlässt, gut über 1700 Tonnen wiegen kann.

Höhepunkt des Tages ist für viele der jungen Besucher der Fahrsimulator. An einem echten Führerstand müssen sie einen Güterzug zum Fahren bringen und anschließend wieder bremsen - natürlich nur auf einem großen Bildschirm, der allerdings so realistisch gestaltet ist, dass es fast wie in echt wirkt.

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Eine Besonderheit ist ein Pedal, das permanent getreten werden muss, ansonsten ertönt irgendwann ein penetranter Piepston, und der Zug bleibt stehen. Das System soll verhindern, dass der Lokführer einschläft. Hier dürfen sich alle Jugendlichen der Reihe nach ausprobieren - und merken schnell, dass es gar nicht so einfach ist, den tonnenschweren Zug in Bewegung zu setzen und wieder zum Stillstand zu bringen.

Eine Maßnahme gegen den Fachkräftemangel

Betreut wird die Gruppe Schüler unter anderem von Nurkan Üzmez. Der junge Mann stammt aus Lübeck und ist derzeit im zweiten Lehrjahr als Triebfahrzeugführer. Er ist von der Trave an die Elbe gezogen - auch wegen der beruflichen Chancen. „Wenn man die Prüfung besteht, wird man garantiert übernommen“, berichtet der Jugendliche.

Insgesamt fünf Auszubildende als Lokführer stellt die EGP jährlich ein, ergänzt Pressesprecherin Longina Hessel. Neben Wittenberge beteiligen sich auch die Hanseatische Eisenbahn in Kyritz und das Werk in Eberswalde, wo sich die große Werkstatt des Unternehmens befindet, am Zukunftstag.

„Es gab schon Besucher unseres Schnuppertags, die ein Jahr später einen Ausbildungsvertrag bei uns unterschrieben haben“, erzählt Longina Hessel. Daher sei der Brandenburger Zukunftstag wichtig für die Personalgewinnung, denn auch die EGP habe mit Fachkräftemangel zu kämpfen.

Kein Nine-to-five-Job

„Die Lokführer müssen häufig nachts und am Wochenende fahren, teilweise kommen auswärtige Übernachtungen dazu“, berichtet sie. Das sei mit dem heute unter Jugendlichen weitverbreiteten Wunsch nach „Work-Life-Balance“ nicht vereinbar.

Dennoch zeigt die Besucherzahl von 20 Jugendlichen, dass bei vielen durchaus Interesse an der Eisenbahn besteht. Auch der 14-jährige Eddy Bublitz vom Marie-Curie-Gymnasium ist an diesem Donnerstag mit dabei. „Ich habe schon in einer Kfz-Werkstatt ein Praktikum gemacht“, erzählt er. „Daher hätte ich mir gewünscht, dass wir in der Werkstatt mehr gesehen hätten.“

Dass er sich im Fahrsimulator ausprobieren durfte, sei dagegen richtig gut gewesen. Dort brachte es der Auszubildende Nurkan Üzmez auf den Punkt: „Wenn alles klappt, werdet ihr fürs Aus-dem-Fenster-schauen und Hebelziehen bezahlt.“ Und das nicht mal schlecht: Je nach Unternehmen und Berufserfahrung sind Monatsgehälter zwischen 3500 und 4500 Euro möglich.

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