Der weltgrößte Flugzeugbauer Airbus hat ehrgeizige Ziele für die kommenden Jahre gesteckt. Bis 2029 soll der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern von zuletzt 7,1 Milliarden auf 12 bis 13 Milliarden Euro steigen. Das gab das Management um Konzernchef Guillaume Faury am Dienstagabend auf einer Investorenveranstaltung in London bekannt. Besonders das Geschäft mit Passagier- und Frachtjets soll zu diesem Wachstum beitragen. Zudem plant Airbus einen milliardenschweren Aktienrückkauf und prüft die Entwicklung einer extralangen Version des Großraumjets A350.
Euphorie an der Börse
Die Ankündigungen sorgten für Kursgewinne. Die Airbus-Aktie gewann am Mittwochvormittag fast sieben Prozent auf 207,85 Euro und überschritt damit die von manchen Brokern prognostizierte Marke von 200 Euro deutlich. Sie war zugleich Spitzenreiter im Dax. Branchenexperte David Perry von der US-Bank JPMorgan korrigierte sein Kursziel für die Airbus-Aktie von 240 auf 245 Euro nach oben. Andere Analysten zeigten sich mit Kurszielen von 190 bis 227 Euro vorsichtiger.
Perry zufolge enthalten die Aussagen des Flugzeugbauers alles, was den Kurs nach oben treiben sollte. So habe Airbus erstmals seit 2013 mittelfristige Zielvorgaben verkündet, die über den Erwartungen lägen. Den Aktienrückkauf wertete er ebenfalls positiv, auch wenn der Umfang mit fünf Milliarden Euro binnen drei Jahren etwas geringer ausfalle als angenommen.
Produktionshochlauf bei allen Geschäftsbereichen
Airbus fahre in allen Geschäftsbereichen die Produktion hoch, um der starken Nachfrage gerecht zu werden, sagte Faury. Der Konzern sitzt im Kerngeschäft mit Passagierjets auf prallvollen Auftragsbüchern. Vor allem wegen Engpässen bei Zulieferern wie Triebwerksbauern kommt Airbus kaum hinterher, die Nachfrage der Fluggesellschaften zu stillen. So musste Faury die ehrgeizigen Produktionsziele für die meistgefragte Flugzeugfamilie A320neo wiederholt verschieben.
Dafür ist seit diesem Jahr der neue Spartenchef Lars Wagner zuständig, der zuvor den Chefposten beim deutschen Triebwerksbauer MTU aufgegeben hatte. Binnen drei Jahren soll er den bereinigten operativen Gewinn der Sparte auf etwa zehn Milliarden Euro steigern – fast doppelt so viel wie 2025.
Margensteigerung bei Passagierjets
Wagner verspricht für die kommenden Jahre teils deutlich höhere Margen. Airbus sei mit der A320neo-Modellfamilie Marktführer bei den Mittelstreckenjets und werde die Produktion bis 2027 auf monatlich 70 bis 75 Maschinen steigern. Danach solle sie zunächst bei 75 bleiben, bevor man über weitere Steigerungen nachdenke. Der kleinere Airbus A220 soll im Jahr 2028 mit einer Produktion von dann 13 Stück pro Monat die Gewinnschwelle erreichen.
Größere Chancen als bislang wittert Wagner im Markt der Großraumjets für die Langstrecke, bei denen der kriselnde Konkurrent Boeing bisher den größeren Teil des Marktes beherrscht. Gerade für den Airbus A350 sehe er die Chance, die Produktion künftig weit über die für 2028 geplanten 12 Maschinen pro Monat zu steigern. „Es gibt eine große Nachfrage nach diesen Maschinen. Wir müssen in der Lage sein, den Kunden frühere Slots anzubieten“, sagte Wagner.
Prüfung einer verlängerten A350
Zudem prüfe Airbus die Entwicklung einer verlängerten Version der A350 – noch länger als das derzeit größte Modell A350-1000. „Es gibt aber noch keine Entscheidung über den Stretch“, stellte Finanzvorstand Thomas Toepfer klar. Grund für die Überlegungen: Airlines tendieren laut Wagner immer stärker zu den größten Versionen der jeweiligen Flugzeugfamilien. So entfielen bei der A320neo-Reihe inzwischen 75 Prozent des Auftragsbestands auf die Langversion A321neo. Zudem gebe es einen Trend zu Varianten mit größerer Reichweite.
Rüstungs- und Raumfahrtsparte soll zulegen
Die Rüstungs- und Raumfahrtsparte Defence & Space und das Hubschraubergeschäft steuern zum konzernweiten Ergebnis vergleichsweise wenig bei. Aber auch sie sollen zulegen – nicht zuletzt, weil die europäischen Staaten angesichts der Bedrohung aus Russland und der unsicheren Unterstützung durch die USA ihr Militär aufrüsten. Zusammen sollen Airbus Defence & Space und Airbus Helicopters ihren bereinigten operativen Gewinn bis 2029 auf etwa 2,5 Milliarden Euro steigern.
Ausblick für 2026
Für 2026 sieht Faury den Konzern auf Kurs. So soll Airbus in diesem Jahr etwa 870 Verkehrsflugzeuge ausliefern und damit den bisherigen Rekord von 863 Maschinen aus dem Jahr 2019 übertreffen. Der bereinigte operative Gewinn soll auf rund 7,5 Milliarden Euro klettern.



