Der Online-Händler Amazon erhöht die Gehälter seiner Logistik-Mitarbeiter in Deutschland. Ab September erhalten Beschäftigte nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit einen durchschnittlichen Stundenlohn von 18,87 Euro – ein Plus von 3,1 Prozent. Neueinsteiger bekommen 16,66 Euro pro Stunde, was einer Steigerung von 4,1 Prozent entspricht. Dies gab das Unternehmen in München bekannt.
Kein Tarifvertrag: Amazon legt Löhne selbst fest
Amazon hat keinen Tarifvertrag mit einer Gewerkschaft abgeschlossen. Die Firma legt die Entgelte eigenständig fest, was seit Jahren scharfe Kritik von Verdi hervorruft. Die Gewerkschaft ruft immer wieder zu Warnstreiks auf, deren Wirkung jedoch begrenzt bleibt. Amazon argumentiert, auch ohne Tarifvertrag ein „fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber“ zu sein, und verweist auf jährliche Lohnerhöhungen seit 2014.
Lohnspanne je nach Standort
Der genannte Stundenlohn von 18,87 Euro ist ein Netzwerkdurchschnitt. An Standorten wie dem Münchner Umland liegt er darüber, in Ostdeutschland darunter. Ab September beträgt der Mindestlohn bei Amazon mindestens 18 Euro – gut vier Euro mehr als der gesetzliche Mindestlohn von 13,90 Euro. Die Wochenarbeitszeit liegt zwischen 35 und 40 Stunden. Fachkräfte und Führungskräfte verdienen mehr. Nicht von der Erhöhung betroffen sind die Paketboten, die für Subunternehmer arbeiten.
Verdi fordert Tarifverträge und Ende der Subunternehmer
Verdi-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer erklärte: „Trotz der Lohnerhöhungen bleibt es dabei: Die Beschäftigten fordern rechtsverbindliche Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels und Verhandlungen auf Augenhöhe.“ Die Gewerkschaft kritisiert zudem den Einsatz von Subunternehmern in der Paketbranche, da die Arbeitsbedingungen dort oft schlecht seien. Sie fordert ein Verbot dieser Praxis und eine direkte Anstellung der Boten bei den Logistikkonzernen.
Vergleich der Jahresgehälter
Amazon gibt für Mitarbeiter mit mindestens zwei Jahren Betriebszugehörigkeit bei einer 40-Stunden-Woche ein Jahresgehalt von rund 41.600 Euro an, inklusive fester Jahresboni von 2.400 Euro. Verdi entgegnet, dass das Jahresentgelt eines Beschäftigten in Spätschicht nach Tarifvertrag Einzel- und Versandhandel in Nordrhein-Westfalen bei rund 42.200 Euro liege – mehr als bei Amazon. Allerdings bezieht sich dieser Vergleich auf einen alten Tarifvertrag von 2024; ein neuer wird derzeit verhandelt.
Amazon auf Expansionskurs
Amazon wächst weiter: Das Unternehmen betreibt in Deutschland 23 Logistikzentren, 9 Sortierzentren und über 70 Verteilzentren. Ende 2024 soll in Zweibrücken (Saarland) ein neues Logistikzentrum mit rund 1.000 Arbeitsplätzen eröffnet werden. Ein weiteres Zentrum in Könnern (Sachsen-Anhalt) mit ebenfalls etwa 1.000 Jobs könnte Ende 2027 oder Anfang 2028 in Betrieb gehen. Weitere Standorte sind geplant, um die Nähe zu den Kunden zu erhöhen und Lieferzeiten zu verkürzen. Amazon beschäftigt in Deutschland mehr als 40.000 Menschen, Tendenz steigend.



