Die deutsche Autoindustrie schöpft nach einer langen Durststrecke wieder Hoffnung. Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich die Auftragslage stabilisiert. Nach Angaben des ifo-Instituts stieg der Geschäftsklimaindex für die Branche im März auf -12,4 Punkte, nach -15,1 Punkten im Februar. Das ist der dritte Anstieg in Folge. Viele Hersteller und Zulieferer berichten von einer leichten Belebung der Nachfrage, insbesondere bei Elektrofahrzeugen.
Auftragseingänge nehmen wieder zu
Besonders erfreulich ist die Entwicklung bei den Auftragseingängen. Laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) lagen die Bestellungen im Inland im Februar um 3,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Aus dem Ausland kamen sogar 5,2 Prozent mehr Bestellungen. "Wir sehen eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau", sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. "Die Talsohle scheint durchschritten."
Die Produktion konnte ebenfalls leicht gesteigert werden. Im Februar wurden in Deutschland rund 380.000 Pkw gefertigt, das sind 2,1 Prozent mehr als im Vormonat. Die Hersteller hatten ihre Bänder in den vergangenen Monaten wegen der schwachen Nachfrage und Lieferkettenproblemen heruntergefahren.
Elektromobilität als Treiber
Ein wesentlicher Treiber der Erholung ist die Elektromobilität. Die Nachfrage nach Elektroautos zieht wieder an, nachdem der staatliche Umweltbonus ausgelaufen war. Im ersten Quartal wurden in Deutschland rund 95.000 vollelektrische Pkw neu zugelassen, ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auch bei den Hybriden ist ein Anstieg zu verzeichnen.
Allerdings warnen Experten vor zu großer Euphorie. "Die Stabilisierung ist noch fragil", sagt Professor Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM). "Die Auftragsbücher sind noch nicht wieder voll, und die Unsicherheit in der Branche bleibt hoch." Viele Unternehmen hielten sich mit Investitionen zurück, weil die Rahmenbedingungen unklar seien, etwa bei der Ladeinfrastruktur und den Energiepreisen.
Zulieferer profitieren nur langsam
Die Zulieferer spüren die Belebung erst mit Verzögerung. Viele mittelständische Betriebe kämpfen weiterhin mit hohen Kosten und einer schwachen Auslastung. Der Branchenverband "Zulieferer Zukunft" berichtet, dass die durchschnittliche Auslastung der Werke bei etwa 75 Prozent liegt, deutlich unter dem Niveau von 2019. "Die Aufträge kommen, aber sie kommen langsam", sagt Geschäftsführerin Andrea Schmidt. "Wir rechnen erst im zweiten Halbjahr mit einer spürbaren Erholung."
Die Stimmung in der Branche hat sich dennoch aufgehellt. Das ifo-Institut meldet, dass die Erwartungen für die kommenden sechs Monate so optimistisch sind wie seit über einem Jahr nicht mehr. Viele Unternehmen planen wieder Neueinstellungen, nachdem sie zuvor Stellen abgebaut hatten.
Herausforderungen bleiben
Trotz der positiven Signale bleiben die Herausforderungen groß. Der Fachkräftemangel ist weiterhin ein zentrales Problem. Laut einer Umfrage des VDA können 60 Prozent der Unternehmen offene Stellen nicht besetzen, vor allem im Bereich Software und Elektronik. Auch die Transformation zur Elektromobilität erfordert hohe Investitionen, die viele Firmen belasten.
Hinzu kommt der zunehmende Wettbewerb aus China. Chinesische Hersteller drängen mit günstigen Elektroautos auf den europäischen Markt. Der Anteil chinesischer Marken an den Neuzulassungen in Deutschland liegt inzwischen bei rund 5 Prozent und steigt. "Die deutsche Industrie muss sich anstrengen, um ihre Position zu halten", warnt Bratzel.
Die Politik ist gefordert, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Die Branche fordert unter anderem einen beschleunigten Ausbau der Ladeinfrastruktur und eine Senkung der Energiekosten. "Wir brauchen verlässliche Perspektiven, um investieren zu können", sagt Müller.
Ausblick: vorsichtiger Optimismus
Für das laufende Jahr rechnet der VDA mit einer Stabilisierung des Marktes. Die Produktion könnte um 3 Prozent auf rund 4,1 Millionen Fahrzeuge steigen. Allerdings bleibt die Unsicherheit hoch, insbesondere wegen der geopolitischen Lage und der Zinsentwicklung. "Die Talsohle ist erreicht, aber der Aufstieg wird langsam", fasst Müller zusammen.
Die Autobauer selbst zeigen sich zuversichtlich. Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz haben in ihren jüngsten Geschäftsberichten von einer stabilen Auftragslage berichtet. Sie setzen verstärkt auf neue Modelle und Softwareangebote, um die Nachfrage anzukurbeln. Die nächsten Monate werden zeigen, ob sich die Hoffnung bestätigt.



