Die Redewendung, dass Geld keine Tore schießt, ist im Fußball längst widerlegt. Der FC Bayern setzt in der Bundesliga den Maßstab, auch weil Topverdiener wie Harry Kane und Jamal Musiala angeblich über 20 Millionen Euro jährlich verdienen – Gehälter, die kein anderer Klub in Deutschland stemmen kann. Doch wie sieht es im Basketball aus? Auch hier wirft Geld Körbe? Wie hoch sind die Gehälter der Stars in der Easycredit Basketball-Bundesliga? Welche Tricks wenden die Klubs an, um Spieler zu locken? Dieser umfassende Gehaltsreport gibt Antworten.
Bayern dominiert die Gehaltstabelle
Wie erwartet liegt der FC Bayern auch in der BBL vorne. Die Basketballer legen als einzige große Profiliga Deutschlands Gesamtetats und Personalkosten offen. Der FCB führt beide Tabellen mit großem Abstand an: 48,2 Millionen Euro Gesamtetat und 18,03 Millionen Euro Personalkosten sind eine eigene Liga. Alba Berlin folgt auf Platz zwei mit 11,4 Millionen Euro Etat und 4,69 Millionen Euro Gehältern. Ratiopharm Ulm, die EWE Baskets Oldenburg und die Telekom Baskets Bonn geben mehr als drei Millionen Euro jährlich für Personal aus, alle anderen Vereine liegen teils deutlich darunter.
Kein Wunder, dass der FC Bayern als haushoher Favorit durch die Play-offs marschiert. Umso bemerkenswerter ist, dass die BMA365 Bamberg Baskets der größte Widersacher zu sein scheinen. Der Sensations-Pokalsieger hat in dieser Saison mit 1,46 Millionen Euro die geringsten Personalkosten.
Top-Verdiener: Andreas Obst
Klar, dass auch der Top-Verdiener der Liga beim FC Bayern spielt. Andreas Obst verlängerte im März bis 2029 und soll mit deutlich über einer Million Euro netto zum Spitzenverdiener aufgestiegen sein. Der Welt- und Europameister wird als das Gesicht der FCB-Basketballer aufgebaut und verdrängte in der Gehaltstabelle Vladimir Lucic und Johannes Voigtmann, die rund eine Million Euro jährlich verdienen sollen. Im krassen Gegensatz dazu stehen die Löhne bei Play-off-Widersacher Bamberg. Dort kommen nur die besten Spieler wie Top-Scorer Ibi Watson auf Netto-Jahresgehälter von knapp über 100.000 Euro, der Rest der Mannschaft liegt zwischen 40.000 und 80.000 Euro.
Auch deshalb droht der Pokalsieger nach der Saison auseinanderzubrechen. Finanzstärkere Konkurrenten aus dem In- und Ausland locken die Shootingstars mit besser dotierten Verträgen. Watson steht vor einem Wechsel zu Ratiopharm Ulm, wo er für zwei Jahre rund 330.000 Euro netto kassieren soll.
Der Kampf um deutsche Spieler
Besonders begehrt sind deutsche Spieler, da in der BBL die 6+6-Regel gilt: In einem 12-Mann-Kader müssen mindestens sechs Deutsche stehen. Seit US-Colleges junge Talente mit millionenschweren NIL-Deals locken, ist der Markt an deutschen Profis noch heißer umkämpft. Auch hier schlägt die Konkurrenz in Bamberg zu: Oldenburg stattet Zach Ensminger mit einem Zweijahresvertrag aus und verdoppelt sein Gehalt auf rund 110.000 Euro pro Jahr. Auch Moritz Krimmers Vertrag über zwei Jahre in Trier soll dem Power Forward 200.000 Euro netto bringen.
Im Gegensatz zum Fußball, wo meist über Brutto-Gehälter gesprochen wird, werden in der BBL die Gehälter netto miteinander verglichen. Vor allem US-amerikanische Spieler wollen wissen, was am Ende auf ihrem Konto landet. Grundsätzlich zahlen alle Klubs Netto-Gehälter, stellen Wohnungen und Autos zur Verfügung. Von Luxus-Schlitten können die meisten Basketballer aber nur träumen. Die meisten Vereine haben Deals mit örtlichen Autohäusern.
Bei den Frankfurt Skyliners fahren die Spieler Opel, bei Rasta Vechta Skoda. In der Regel bekommen Singles kleinere Modelle, Familienväter größere Wagen. In Frankfurt geht es vom Kleinwagen Corsa bis zum SUV Grandland. Tankkarten gibt es dazu. Wohnungen liegen oft im Bereich bis 1500 Euro Nettomonatsmiete. Die Vereine bieten oft möblierte Appartements mit Standard-Ausstattung und WLAN an. Manche Spieler bekommen sogar zwei Wohnungen – die zweite für die Eltern.
Für Spieler aus den USA werden meist zwei Round-Trips (Hin- und Rückflüge) vertraglich geregelt: einer während der Saison, einer nach Saisonende. Die allermeisten Spieler unterschreiben für eine Saison, also Verträge über neun oder zehn Monate. Spieler, die in Deutschland bleiben, melden sich in den Monaten ohne Vertrag arbeitssuchend.
Tricks zur Gehaltsaufbesserung
Um die Gehälter aufzubessern, wird zu vielen legalen Tricks gegriffen. Vergünstigtes Essen, Team-Kleidung (vor allem Anzüge) oder die Nutzung von Fitnessstudios oder Golfplätzen sind ebenso keine Seltenheit wie Nebenjobs für die Profis, die in ihrer Freizeit AGs und Jugendtrainings leiten. Ein BBL-Verein hat regelmäßig im Vertrag, dass die Kosten für den Führerschein übernommen werden.
BBL-Klubs müssen kreativ sein, weil die ausländische Konkurrenz strukturelle Vorteile hat: Spitzensportlern bleibt dort oft mehr Netto vom Brutto. „Das ist ein Wettbewerbsnachteil. Wir können nicht mit Spanien, Türkei und Griechenland konkurrieren“, sagt Albas Sportdirektor Himar Ojeda. Allein die Gesamtbeiträge für die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft belaufen sich ligaweit auf 9,4 Millionen Euro und sind im europäischen Vergleich sehr hoch. BBL-Chef Stefan Holz: „Das ist nach wie vor untragbar und für unsere Klubs ein massiver strategischer Wettbewerbsnachteil. Wir werden gemeinsam mit den anderen deutschen Profiligen weiter fordern, dass dieses unsägliche Thema grundlegend reformiert wird.“
Das führt dazu, dass es in der BBL auch Profis gibt, die für gerade mal 2000 Euro netto im Monat auflaufen. Solche Spieler sind besonders anfällig für Angebote. Malik Parsons kam 2024 als Nobody aus Dänemark nach Frankfurt und spielte für rund 40.000 Euro Jahressalär. Er wurde zum Top-Scorer, Maccabi Tel Aviv wollte ihn für 250.000 Euro Gehalt holen. Parsons musste in Frankfurt bleiben, wechselte später in die Türkei, kam zurück in die BBL und sorgt jetzt mit Rasta Vechta für Furore. Mit 250.000 Jahresgehalt liegt man in der Spitzengruppe der BBL, wenn man die Bayern ausklammert. Martin Hermannsson, Spielmacher bei Alba Berlin, soll in dieser Gehaltsregion liegen und damit Spitzenverdiener der Berliner sein.
Kurioses: Von Aquarien bis Golf-Kursen
Immer wieder erfüllen Vereine auch kuriose Wünsche, um Spieler zur Unterschrift zu bewegen. Damit Profis sorglos in einer neuen Stadt leben können, bieten Klubs „Boten-Dienste“ an, bei denen regelmäßig Briefkästen geleert werden, damit Rechnungen oder Strafzettel nicht unbezahlt bleiben. Ein Spieler, der alleinerziehender Vater war, ließ sich die Kinderbetreuung vertraglich zusichern. Auch Tiere sind oft Bestandteil der Verhandlungen: Hunde- oder Katzensitter sind keine Seltenheit. Ein Profi forderte einen Fütterungsdienst für sein Aquarium mit besonderen Fischen – hat geklappt.
Spencer Reaves soll nach seiner Top-Saison 2024/25 beim Syntainics MBC über seinen Berater eine ganze Liste mit Forderungen an interessierte Vereine gegeben haben, darunter ein Golf-Kurs für 1000 Euro. Am Ende unterschrieb er wieder beim MBC. Der klarste Weg zu zusätzlichem Geld ist sportlicher Erfolg: Jeder Spieler bekommt pro Play-off-Runde rund 1000 bis 2000 Euro zusätzlich. In den Verträgen gibt es auch Verbotsklauseln: Laut BBL-Standardkontrakt dürfen Spieler keine Risikosportarten wie Ski alpin, Snowboard, MMA-Fighting und Boxen betreiben.



