Der Autozulieferer Bayrak Technik GmbH hat zum vierten Mal innerhalb von fünf Jahren Insolvenz angemeldet. Mehr als 400 Beschäftigte an den Standorten Rehburg-Loccum in Niedersachsen und Gedern in Hessen fürchten um ihre Arbeitsplätze. Das Unternehmen befindet sich erneut in einer tiefen Krise, die die gesamte Automobilindustrie widerspiegelt.
Insolvenzverwalter sucht Investoren
Insolvenzverwalter Manuel Sack (61) von der Rechtsanwaltskanzlei Brinkmann & Partner erklärte gegenüber der Bild-Zeitung: „Im Wesentlichen wird die Zukunft von Bayrak und damit auch der über 400 Arbeitsplätze vom jetzt gestarteten Investorenprozess abhängen. Die Resonanz ist positiv. Es gibt erste Interessenten, die proaktiv auf uns zugekommen sind. Ich gehe davon aus, dass wir in sechs Wochen eine genauere Einschätzung dazu abgeben können.“ Der laufende Betrieb sei gesichert, und die Löhne würden vorerst über das Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur bezahlt.
Ursachen der erneuten Pleite
Der Sanierungsexperte nannte hohe Kosten durch Schließungen und Restrukturierungen als Hauptursache für die erneute Insolvenz. Die Zahl der Standorte wurde von vier auf zwei reduziert. Hinzu kamen starke Umsatzrückgänge, die „2026 die erneute Liquiditätskrise ausgelöst“ hätten. Auch steigende Energie- und Materialkosten belasteten das Unternehmen. Bayrak fertigt Interieur-, Exterieur- und Fahrwerksteile für die Automobilindustrie sowie Produkte für die Sanitärtechnik und Bauindustrie.
Chronik der Krise
Die Probleme von Bayrak reichen Jahre zurück. Bereits 2023 übernahm das türkische Unternehmen Bayrak Lastik den insolventen Autozulieferer Rüster, der zuvor ebenfalls eine Insolvenz durchlaufen hatte. 2024 beantragte das Management ein Schutzschirmverfahren, also eine gerichtlich begleitete Sanierung. Zunächst schien die Rettung zu gelingen: Erst im Oktober 2025 wurde das Schutzschirmverfahren verlassen. Doch nur wenige Monate später folgte die nächste Insolvenzanmeldung.
Zukunft ungewiss
Wie realistisch eine Rettung ist, bleibt offen. Der Insolvenzexperte sagte: „Wir sehen durchaus Chancen für eine Fortführung von Bayrak, da die Produkte von den Kunden dringend benötigt werden. Eine Langfristperspektive können wir aber zum jetzigen Zeitpunkt bisher nicht abgeben.“ Bayrak ist nicht das einzige Unternehmen in der Autobranche mit Schwierigkeiten. Auch der Autozulieferer und Kunststoffteile-Hersteller MoldTecs hat Insolvenzantrag gestellt. 180 Jobs im niedersächsischen Werk stehen auf der Kippe. Am Standort Sonneberg (Thüringen) zittern rund 400 Mitarbeiter um ihre Zukunft. Zudem wird das Technologieunternehmen TE Connectivity seine Produktion in Speyer bis 2028 schrittweise beenden, wodurch rund 630 Arbeitsplätze wegfallen.



