Berlin – Müssen kommunistische Unternehmen aus China nun deutsche Volkswagen-Werke retten? Was absurd klingt, wird aktuell ernsthaft diskutiert. Nach Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (59, SPD) hat sich nun auch Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (52, SPD) für eine Öffnung der VW-Standorte für chinesische Hersteller ausgesprochen. Lies schlug vor, in VW-Werken Fahrzeuge chinesischer Marken zu produzieren. Panter geht noch einen Schritt weiter: Er hofft auf die vollständige Übernahme von Standorten wie Zwickau oder der „Gläsernen Manufaktur“ in Dresden durch chinesische Firmen. „China ist eine Chance für Zwickau“, betont der Minister.
VDA sieht Potenzial, aber keine Garantie
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) stellt klar, dass chinesische Unternehmen grundsätzlich die Möglichkeit haben, Werke in Deutschland oder Europa zu eröffnen. Dies sei jedoch eine unternehmerische Entscheidung. Bereits heute gebe es internationale Kooperationen, auch mit Herstellern aus China. Besonders betroffen von möglichen Schließungen sind die VW-Standorte in Dresden, Zwickau, Emden und Osnabrück.
Joint Ventures als Modell?
Deutsche Autobauer dürfen in China keine eigenen Tochtergesellschaften gründen, sondern sind auf Gemeinschaftsunternehmen angewiesen. Panter schwebt ein ähnliches Modell für Deutschland vor: Chinesische Hersteller könnten stillgelegte Produktionslinien in Zwickau nutzen. „Zwickau verfügt über hochqualifizierte Fachkräfte, die wir erhalten müssen“, argumentiert der Minister. Allerdings sehen Brancheninsider erhebliche Hürden.
Hohe Kosten als Hindernis
Die Produktion in Deutschland leidet unter hohen Energiepreisen, Arbeitskosten und Steuern. Ein führender Automanager erklärte anonym: „Im Kern reden wir hier über die Übernahme leerer Hallen durch chinesische Marken.“ Die gesamte Infrastruktur müssten die Chinesen ohnehin mitbringen, viele Komponenten kämen vorgefertigt, und Personal werde durch Automatisierung kaum benötigt. Ein anderer Konzernchef ergänzt, chinesische Hersteller zeigten derzeit wenig Interesse an einer Produktion in Deutschland. Sie setzten ihre staatlich subventionierte Überproduktion aus China in Europa ab. Parallel bauten sie jedoch Händler- und Servicenetze auf, um das Vertrauen der Kunden zu gewinnen.
VW setzt auf „In China, für China“
VW-Konzernchef Oliver Blume (57) hatte kürzlich im Interview erklärt, dass „die Kosten für unsere Fahrzeuge zu hoch sind“. Der Konzern wurde komplett umgekrempelt. Gleichzeitig hat VW begonnen, mehr Autos in China zu entwickeln. Auf der Peking-Automesse präsentierte Blume im April neue Modelle unter dem Motto „In China, für China“. Dass chinesische Hersteller in Deutschland ähnlich vorgehen, glaubt bei VW niemand.



