Neuer Sicherheitsstandard: Warum ein Crashtest bei 35 km/h entscheidend ist
Crashtest bei 35 km/h: Neuer Sicherheitsstandard erklärt

Neue Sicherheitsmaßstäbe: ADAC demonstriert Crashtest bei reduzierter Geschwindigkeit

Seit Anfang 2026 gelten verschärfte Anforderungen für die Sterne-Wertung der europäischen Prüforganisation Euro NCAP. Der ADAC hat als Mitglied dieser Organisation exklusiv in seinem Testzentrum in Landsberg am Lech die neuen europäischen Sicherheitsstandards vorgeführt. AUTO BILD-Reporter Raphael Schuderer war vor Ort und dokumentierte die Tests.

Der Crashtest mit dem MG3 bei 35 km/h

Im Mittelpunkt der Demonstration stand ein Frontalcrash mit einem chinesischen MG3. Neu ist dabei die Geschwindigkeit von 35 km/h, mit der das Fahrzeug gegen die blaue Crashbarriere geschossen wurde. Bisher waren in den Prüfprogrammen nur Crashtests mit 50 km/h enthalten. Der Aufprall erfolgte mit einem gewaltigen Knall, bei dem sich das Blech an der Front zerbeulte und das Glas splitterte.

Positiv zu vermerken: Die Fahrgastzelle blieb intakt, und der Fahrersitz löste sich im Gegensatz zu einem früheren Test nicht aus seiner Verankerung. Direkt nach dem Versuch meldeten die ADAC-Verantwortlichen Entwarnung an die Rettungszentrale, da das automatische Notrufsystem eCall den vermeintlichen Unfall registriert und die Retter alarmiert hatte.

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Warum niedrigere Geschwindigkeiten gefährlicher sind

Volker Sander, ADAC-Experte für Fahrsicherheit, erklärt den Grund für die neue Testgeschwindigkeit: „Bei der Auswertung realer Unfälle haben wir festgestellt, dass niedrigere Geschwindigkeiten oft schwerere Verletzungen bei den Insassen verursachen als Unfälle bei 50 km/h.“

Normalerweise wird die Aufprallenergie von der Karosserie aufgefangen, die sich dabei verformt. Sander führt aus: „Bei geringem Tempo verformt sich das Fahrzeug weniger. Die Kräfte werden ungebremst auf die Insassen übertragen. Gurte und Airbags sind jedoch nicht für geringe Geschwindigkeiten ausgelegt. Besonders Senioren sind bei solchen Unfällen gefährdet.“

Neue Euro-NCAP-Bewertungskategorien

Die Euro NCAP unterteilt die Fahrzeugsicherheit mit den aktualisierten Regeln in vier Bereiche:

  • Sicheres Fahren
  • Unfallvermeidung
  • Unfallschutz
  • Rettung nach dem Unfall

Jeder Bereich wird einzeln bewertet, und für die Bestnote von fünf Sternen müssen bestimmte Mindestwerte in den Teilbereichen erfüllt werden. Der ADAC testet dabei auch Fahrhilfssysteme wie den Notbrems-Assistenten mit verschiedenen Attrappen.

Praxistests im realen Straßenverkehr

Ein weiterer Neuerung sind Praxistests im echten Straßenverkehr. Hintergrund ist, dass moderne Fahrzeuge möglicherweise erkennen könnten, wenn sie ein Testszenario durchlaufen, und ihr Verhalten anpassen – ein Phänomen, das bereits bei Abgas-Prüfständen aufgetreten ist. Um dies auszuschließen, werden nun Prüffahrten unter realen Bedingungen durchgeführt.

Ein Auto muss mindestens 2000 Kilometer in drei verschiedenen Ländern zurücklegen, um die Funktion seiner Fahr-Assistenzsysteme unter Beweis zu stellen. Falschmeldungen zu Tempolimits oder unnötiges Eingreifen von Hilfssystemen werden mit Punktabzug bestraft. Zusätzlich wird bewertet:

  1. Wie gut das Fahrzeug bedient werden kann
  2. Ob physische Schalter für wichtige Funktionen vorhanden sind
  3. Ob umständliche Menüführung oder Touchscreens den Fahrer ablenken

Rettung nach dem Unfall – besonders bei E-Autos relevant

Im Bereich „Rettung nach dem Unfall“ wird untersucht, wie sich ein Auto nach einem Crash verhält. Dies ist vor allem bei Elektrofahrzeugen von Bedeutung. Geprüft wird:

  • Ob die Antriebsbatterie vom Stromnetz abgekoppelt wird
  • Ob es zu einem Fahrzeugbrand kommt
  • Ob versenkte Türgriffe nach einem Unfall automatisch ausfahren
  • Mit wie viel Kraft sich die Türen öffnen lassen

Die Auswertung all dieser Fragen bestimmt letztendlich, wie das getestete Fahrzeug bei der neuen Euro-NCAP-Wertung abschneidet.

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Fazit: Fortschritt für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer

Die neuen Tests stellen einen weiteren Fortschritt für die Fahrzeugsicherheit dar. Vor allem die Fahrtests im realen Verkehr können Probleme aufdecken, die sonst unentdeckt blieben. In Zukunft wird es schwieriger, die Höchstwertung von fünf Sternen bei Euro NCAP zu erreichen. Dies kommt jedoch der Gesundheit der Autofahrer, ihrer Passagiere und aller anderen Verkehrsteilnehmer zugute.