Deutsche Flagge für Reedereien wieder attraktiver: BSH im Gespräch mit Dutzend Firmen
Deutsche Flagge: Reedereien zeigen wieder Interesse

Mehrere Schifffahrtsunternehmen haben Interesse signalisiert, ihre Schiffe zurück unter die Bundesflagge zu bringen. Allen voran die Lidl-Reederei Tailwind, die bereits im Juni ankündigte, das Containerschiff „Panda 001“ künftig unter deutscher statt portugiesischer Flagge fahren zu lassen. Bis Mitte 2028 sollen sieben eigene Schiffe, darunter fünf Neubauten, unter deutscher Flagge unterwegs sein, wie ein Sprecher mitteilte. Tailwind mietet derzeit weitere Schiffe an, die ausländische Flaggen führen.

BSH in Gesprächen mit einem Dutzend Reedereien

„Wir sind mit einem Dutzend Reedereien in Gesprächen“, sagte Jörg Kaufmann, Leiter der Abteilung Schifffahrt im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Namen der Unternehmen wollte Kaufmann nicht nennen, es handle sich um einen „Querschnitt“ der Branche. Gesprochen werde mit Containerreedereien und Unternehmen, die Massen- und Stückgüter transportieren – etwa Kohle oder Paletten.

Das BSH ist an einer Reform beteiligt, die die Attraktivität der deutschen Flagge steigern soll. Stand Ende Juni fuhren 395 Seeschiffe unter deutscher Flagge – trotz der Bemühungen des BSH 21 weniger als zu Jahresbeginn. Nahezu unverändert fuhren 1.422 Schiffe unter ausländischer Flagge.

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Internationaler Wettbewerb um Schiffe

Das internationale Seerechtsübereinkommen regelt, dass Schiffe unter der Flagge eines einzigen Staates fahren müssen. Deutsche Seeschiffe müssen nach nationalem Recht grundsätzlich unter der Bundesflagge fahren, das Flaggenrechtsgesetz erlaubt jedoch zeitlich befristete Ausnahmen. Die deutschen Behörden konkurrieren daher weltweit mit anderen Staaten um Reedereien.

Dass die deutsche Flagge zu teuer sei, sei ein „altes Vorurteil“, kritisierte Kaufmann. „Wir sind kostenmäßig konkurrenzfähig – es weiß nur nicht jeder“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Seit einer Gesetzesänderung 2016 dürfen Reedereien Lohnsteuerzahlungen der Besatzungsmitglieder vollständig einbehalten. Zudem fördert der Bund die Branche.

Vorteile der deutschen Flagge

Deutsche Eigentümer müssen ein Seeschiff mit einer Länge von mehr als 15 Metern an einem Amtsgericht in ein deutsches Seeschiffsregister eintragen lassen. Kaufmann betonte, dass es keine laufenden Registergebühren gebe und die Preise für Zeugnisse und Bescheinigungen im Vergleich zu anderen Ländern günstig seien.

Die Reform der Flaggenstaatsverwaltung leitete das Bundesverkehrsministerium Ende 2023 ein. Seitdem gibt es das Service-Team Deutsche Flagge als zentrale Beratungsstelle, die rund um die Uhr erreichbar sein soll. Informationen bietet zudem ein zentrales Internetportal. Allerdings gibt es weiterhin keine zentrale Behörde für die Flaggenverwaltung; die Aufgaben teilen sich BSH, Berufsgenossenschaft Verkehr, Bundesnetzagentur und Amtsgerichte.

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