Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Gewerkschafter in Tesla Gigafactory
Im anhaltenden Konflikt zwischen den Gewerkschaften und dem Elektroautohersteller Tesla hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) nun offiziell Ermittlungen aufgenommen. Gegen einen Vertreter der IG Metall wurde ein Verfahren wegen des Verdachts auf Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes sowie Verstoßes gegen das Betriebsverfassungsgesetz eingeleitet.
Vorwurf der heimlichen Tonaufnahme
Der konkrete Vorwurf lautet, dass der Gewerkschafter während einer Betriebsratssitzung am 10. Februar 2026 im Tesla-Werk in Grünheide mittels eines Laptops heimlich eine Tonaufnahme angefertigt haben soll. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass die notwendige Datensicherung des Laptops bereits veranlasst wurde, um den Vorfall umfassend auswerten zu können.
Tesla hatte zu Beginn der Woche Strafanzeige gegen den IG-Metall-Vertreter erstattet, nachdem Werksleiter André Thierig von mehreren Dutzend Zeugen berichtet hatte. Diese hätten ausgesagt, dass der Gewerkschafter angegeben habe, sein Mikrofon während der Sitzung versehentlich nicht abgestellt zu haben.
IG Metall spricht von Schmutzkampagne
Die IG Metall wies die Vorwürfe umgehend zurück und bezeichnete die Anschuldigungen als "dreiste und kalkulierte Lüge". In einer offiziellen Stellungnahme sprach die Gewerkschaft von einem "abgekarteten Spiel" und einer gezielten Schmutzkampagne. Ein eingeladener Gewerkschaftssekretär sei demnach von einem Betriebsrat der Arbeitgeberfraktion beschuldigt worden, ohne dass ihm eine Möglichkeit zur Entkräftung der Anschuldigungen gegeben worden sei.
Hintergrund: Betriebsratswahlen und Tarifkonflikt
Die Ermittlungen fallen in eine äußerst sensible Phase: Anfang März steht im einzigen europäischen Tesla-Werk in Brandenburg die Wahl eines neuen Betriebsrats an. Zwischen Tesla und der IG Metall besteht seit längerem ein tiefgreifender Konflikt. Während die Gewerkschaft eine verbindliche Bindung an einen Tarifvertrag fordert, lehnt der Autobauer dies konsequent ab.
Unternehmenschef Elon Musk hat sich traditionell stets gegen gewerkschaftlichen Einfluss in seinen Unternehmen ausgesprochen und auch in der Vergangenheit mehrfach öffentlich gegen die IG Metall gewettert. Der aktuelle Vorfall dürfte die angespannte Stimmung im Vorfeld der Betriebsratswahlen weiter anheizen.
Die Staatsanwaltschaft betonte, dass die Ermittlungen unabhängig und sorgfältig geführt werden. Beobachter sehen in dem Verfahren einen weiteren Höhepunkt im schwelenden Machtkampf zwischen der Gewerkschaft und dem US-amerikanischen Elektroauto-Pionier auf deutschem Boden.



