Der monatelange Poker um die Zukunft von Galeria ist beendet: Die schwer angeschlagene Warenhauskette erhält einen dringend benötigten Notkredit in Höhe von 160 Millionen Euro. Wie BILD exklusiv erfuhr, einigten sich der US-Investor Gordon Brothers, die Galeria-Eigentümer sowie weitere Beteiligte wie Versicherungskonzerne auf die Kreditlinie. Ein Teil des Betrags soll bereits am heutigen Nachmittag geflossen sein, sodass Galeria die Juni-Löhne für rund 12.000 Mitarbeiter und die Mieten für die 83 Warenhäuser bezahlen kann. Zudem kann das Unternehmen nun Waren für das wichtige Weihnachtsgeschäft bestellen.
Hälfte des Kredits für Altschulden
Allerdings muss Galeria mit dem Geld auch einen anderen Kredit über 70 Millionen Euro plus Zinsen ablösen. Das bedeutet, dass knapp die Hälfte des Notkredits sofort für die Tilgung aufgewendet wird. Die monatlichen Verluste der Kette liegen bei über zehn Millionen Euro, der Umsatz liegt teils mehr als zehn Prozent unter dem Vorjahr.
Sanierungsprogramm: 30 Filialen vor dem Aus
Trotz der Rettung droht ein hartes Sanierungsprogramm. Laut einem Konzept der Beratungsfirma Alix Partners sollen rund 30 Filialen geschlossen werden, was den Abbau tausender Arbeitsplätze bedeuten würde. Viele Filialen sollen verkleinert werden, andere Unternehmen wie Lidl könnten als Untermieter einziehen. Zudem will Galeria mit Vermietern verhandeln, dass sich die Miete künftig am Umsatz orientiert.
Miteigentümer Beetz: „Lage bleibt angespannt“
Galeria-Miteigentümer Bernd Beetz, der 28,2 Prozent der Anteile hält, sagte zu BILD: „Für Galeria kann es nach der Kreditzusage weitergehen, doch die Lage bleibt angespannt. Jetzt gilt es, gemeinsam mit Politik, Standorten, Vermietern und weiteren Stakeholdern tragfähige Lösungen zu finden. Unsere Strategie steht, aber unter den schwierigen Rahmenbedingungen ist es ein sehr großer Kraftakt, diese umzusetzen.“
Beetz betonte die Bedeutung Galerias für die Innenstädte: „Wir wollen eine Perspektive schaffen – nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die jeweilige Innenstadtlage.“ Dafür brauche es auch die Sozialpartner. Er kündigte große Veränderungen an: „Jetzt haben wir die Chance, unsere Strategien weiter umzusetzen, etwa mit modularen Flächenkonzepten, neuen Partnern und einem verbesserten Sortiment.“



