Wer nur auf den Preis schaut, kommt an chinesischen Herstellern in Sachen Elektromobilität nicht vorbei. Marken wie BYD oder MG bieten günstige Einstiegspreise: Der BYD Dolphin Surf kostet knapp 19.000 Euro, ohne den firmeneigenen E-Bonus zu berücksichtigen. Der MG4 EV Urban ist wiederum für rund 25.000 Euro erhältlich. Trotzdem sind sie keine Billigware: Chinesische Modelle gelten als leistungsstark und innovationsfreudig. Deutsche Hersteller können sich also nicht allein auf ihrer Qualität ausruhen, sondern müssen auch preislich konkurrieren können. Die AZ hat deshalb die günstigsten E-Auto-Modelle deutscher Marken gesammelt und hinsichtlich Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Verbrauch genauer unter die Lupe genommen.
VW bringt Neuwagen für unter 25.000 Euro auf den Markt
Volkswagen (VW): Beim deutschen Auto-Giganten ist ab Mitte Juli dieses Jahres der ID. Polo in der sogenannten Trend-Variante erhältlich – für einen Kampfpreis von 24.995 Euro. Der packt maximal eine Strecke von rund 450 Kilometern und verbraucht dabei nur etwa 13 bis 14,5 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. Die maximale DC-Ladeleistung (105 Kilowatt) – also wie schnell füllt sich die Batterie – ist für dieses Preissegment nur Standard, fällt angesichts des geringen Verbrauchs aber nicht weiter ins Gewicht.
Bereits jetzt ist der ID. Polo abseits der Trend-Variante ab 33.795 Euro erhältlich. Die Fahrwerte sind nahezu dieselben, aber die Ausstattung ist umfangreicher. Der ID. Polo Life bietet unter anderem eine Sprachsteuerung, eine kabellose Ladefunktion mit 15 Watt Ladeleistung, eine Rückfahrkamera und einen variablen Ladeboden, der das Verstauen von Gepäck flexibler macht. Der ID. Polo Style wartet etwa mit beheizbaren Sitzen und LED-Matrix-Scheinwerfern auf.
Leicht teurer kommt der ID.3 Neo Trend daher, der für 200 Euro mehr zu haben ist, dafür mit 14 Kilowattstunden auf 100 Kilometer einen stabileren Verbrauch hat. Die Reichweite ist aber rund 30 Kilometer kürzer.
Auto-Alternative von Opel für unter 8000 Euro
Opel: Auch der Autobauer aus Rüsselsheim am Main hat im Vergleich mit anderen deutschen Herstellern günstige Modelle im Sortiment. Der Opel Corsa Edition liegt preislich knapp unter der 30.000-Euro-Marke. Ohne Laden packt dieses Modell 357 Kilometer bei einem Energieverbrauch von rund 14,5 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Die maximale DC-Ladeleistung beträgt 100 Kilowatt – um den Batteriespeicher von 20 Prozent auf 80 Prozent zu füllen, muss man rund 30 Minuten warten.
Zum nächsten E-Auto-Modell klafft preislich eine große Lücke: Der Mokka Electro Edition ist ab 36.740 Euro erhältlich. Er fährt rund 400 Kilometer, ohne laden zu müssen, und verschlingt dabei 15,4 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. Die Ladeleistung liegt auch hier bei 100 Kilowatt.
Zwar kein richtiges Auto, aber als Gefährt für die Stadt durchaus interessant: der Opel Rocks für knapp 8000 Euro. Der Zweisitzer fährt zwar nur 45 Kilometer pro Stunde schnell und packt auch lediglich 75 Kilometer an Reichweite, erfordert aber keinen B-Führerschein, ein AM reicht – den kann man bereits ab 15 Jahren erlangen. Praktisch: Der Rocks lässt sich zu 100 Prozent in vier Stunden an jeder normalen Steckdose aufladen.
Audi möchte ab 2027 günstiges E-Auto anbieten
Smart: In der Preiskategorie jenseits der 30.000 Euro bietet auch das für seine Kleinwagen berühmte Unternehmen, das gemeinsam von Mercedes-Benz und der chinesischen Geely Automobile Group geführt wird, ein Modell an. Der smart #1 Pure ist ab 36.990 Euro erhältlich und fährt ohne Laden nur 310 Kilometer weit. Auch der Verbrauch ist mit 18,1 Kilowattstunden auf 100 Kilometer recht hoch. Zum Laden benötigt der Kompakt-SUV rund 30 Minuten (DC-Ladeleistung von 130 Kilowatt).
Audi: Die Ingolstädter möchten mit dem A2 e-tron ab 2027 ebenfalls preislich konkurrenzfähiger bei den Langstrecken-Autos werden. Der soll Gerüchten zufolge rund 35.000 Euro kosten und 700 Kilometer Reichweite schaffen mit einer Schnelllade-Leistung von bis zu 150 Kilowatt – das sind zumindest die ambitionierten Ziele. Und ein klarer Sprung zum bisher günstigsten Stromer: der Q4 e-tron ab 46.150 Euro. Die Reichweite: 556 Kilometer. Der Verbrauch: 16 bis 18,9 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. Die Ladedauer: rund 28 Minuten (DC-Ladeleistung bis zu 175 Kilowatt).
BMW ist Schlusslicht bei günstigen E-Autos
Mercedes-Benz: Wer bereit ist, über 40.000 Euro für ein Langstrecken-E-Auto hinzublättern, der wird auch bei den Stuttgartern fündig. Der CLA ist ab 46.950 Euro erhältlich, der CLA Shooting Brake ab 48.250 Euro. Der CLA 200 kann bis zu 542 Kilometer am Stück zurücklegen und verbraucht dabei nur 12,3 Kilowattstunden auf 100 Kilometer – das heißt, der Stromer ist besonders effizient. Das gilt auch für seine Ladepower: Der Batteriespeicher des Autos lässt sich in nur 20 Minuten vergleichsweise schnell füllen (DC-Ladeleistung von 200 Kilowatt). Der CLA Shooting Brake verbraucht zwar leicht mehr (12,8 Kilowattstunden auf 100 Kilometer) und hat eine leicht kleinere Reichweite (525 Kilometer), bietet dafür aber mehr Kofferraumvolumen und bessere Kopffreiheit.
BMW: Der Premium-Auto-Hersteller bleibt mit dem iX1 eDrive20 nur knapp unter der 50.000-Euro-Grenze und bildet preislich damit das Schlusslicht der deutschen E-Auto-Hersteller (mit Ausnahme vom Luxus-Produzenten Porsche). Der Energieverbrauch des BMW-Stromers beträgt rund 16 Kilowattstunden auf 100 Kilometer bei einer maximalen Reichweite von 516 Kilometern. Auch bei diesem Modell müssen Fahrer knapp 30 Minuten laden (maximale DC-Ladeleistung von 130 Kilowatt).
Zuverlässige Gebrauchtwagen von BMW und VW
Selbst die günstigsten E-Auto-Hersteller in Deutschland verlangen für ihre Modelle mindestens rund 25.000 Euro – ein Betrag, den viele Verbraucher nicht einfach aus dem Ärmel schütteln können. Die Abnehmer für frische Autos sind in erster Linie Firmen: Im vergangenen Jahr wurden 66 Prozent der rund 2,9 Millionen Neuwagen in Deutschland gewerblich zugelassen. Zudem wurden über die Hälfte der Autos geleast, für E-Autos liegt die Quote sogar bei 65 Prozent – im Klartext: Die Menge an Privatpersonen, die tatsächlich Autos neu kauft, ist überschaubar.
Verbraucher weichen deshalb häufiger auf den Gebrauchtmarkt aus. Doch auf dem schlagen sich E-Autos bekanntlich nur mäßig: Im vergangenen Jahren machten Stromer gerade mal 3,6 Prozent der Besitzumschreibungen aus. Einer Untersuchung des Deutschen Kraftfahrzeug-Überwachungs-Vereins (Dekra) zufolge ist bei Interessenten das Misstrauen wegen der Reichweite und der Haltbarkeit der Batterien groß.
Der Vorteil für Käufer: Die E-Autos verlieren weitaus schneller an Wert als die Verbrenner – und werden so auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt zügiger erschwinglich. Wer beim Händler laut dem Marktbeobachter Deutsche Automobil Treuhand (DAT) ein drei Jahre altes E-Auto kauft, zahlt im Schnitt nicht einmal die Hälfte des einstigen Listenpreises. Zum Vergleich: Bei einem Benziner sind es über 60 Prozent.
Deshalb finden sich laut einer ADAC-Auswertung aus dem vergangenen Jahr auf dem Gebrauchtmarkt auch einige Stromer deutscher Hersteller unter 20.000 Euro. Zu den besten Modellen gehört demnach etwa der BMW i3: Der ist ab 15.000 Euro zu haben, hat aber nur eine Reichweite von bis zu 250 Kilometern. Die Pannenstatistik sieht dafür laut ADAC sehr gut aus. Ebenfalls eine hohe Zuverlässigkeit hat der VW ID.3. Der ist ab knapp 18.000 Euro erhältlich und schafft es, bis zu 350 Kilometer ohne Ladepause zu fahren. Noch günstiger ist der VW e-Up, der schon ab 12.000 Euro gekauft werden kann, aber maximal 220 Kilometer weit kommt (und das auch nur im Sommer).



