München – Uli Hoeneß, Ehrenpräsident des FC Bayern München, hat die Ticketpreispolitik des Fußball-Weltverbands FIFA für die bevorstehende Weltmeisterschaft in den USA scharf kritisiert. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ äußerte er sich deutlich: „Was bei der FIFA gerade passiert mit den Preisen für die Weltmeisterschaft in den USA, das lehne ich total ab. Das hat nichts mehr mit dem Fußballgeschäft zu tun, wie ich es mir wünsche.“
Sorge vor Super-Bowl-Zuständen
Hoeneß zeigte sich besonders besorgt darüber, dass das WM-Endspiel nicht wie der Super Bowl werden dürfe. Er berichtete von einem Treffen mit einem Bekannten, der das NFL-Endspiel in der Loge eines Milliardärs verfolgt hatte. „Die Loge hat für den einen Tag 1,5 Millionen Dollar gekostet. Für 20 Leute. Also 75.000 Dollar pro Person. Teilweise haben die das Spiel gar nicht angeschaut. Und das Wichtigste war natürlich die Halbzeitshow“, erzählte Hoeneß.
Auf einer Wiederverkaufsseite der FIFA waren kürzlich vier Tickets für das WM-Finale für jeweils fast 2,3 Millionen Dollar angeboten worden. Für das Eröffnungsspiel der USA am 12. Juni in Los Angeles gegen Paraguay liegen die Preise zwischen 1.120 (etwa 950 Euro) und 2.735 US-Dollar (rund 2.325 Euro). Der Weltverband steht seit Langem wegen seiner Ticketpreise in der Kritik. FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte die Preispolitik zuletzt als marktgerecht verteidigt.
FC Bayern als Gegenbeispiel
Hoeneß betonte, dass der FC Bayern München neben teuren VIP-Tickets auch Jahreskarten für 175 Euro anbiete. „Darauf bin ich sehr stolz. Ich möchte nicht, dass Fans, die kein so großes Einkommen haben, sich das nicht mehr leisten können“, sagte der ehemalige Erfolgsmanager des deutschen Rekordmeisters. Er ergänzte: „Auch ihnen oder gerade ihnen gehört der Fußball. Es darf nicht sein, dass sie sich einen Fußballbesuch nur leisten können, wenn sie dafür beim Essen oder beim Urlaub sparen. Ein Fußballspiel muss immer möglich sein.“
Mit diesen Aussagen unterstreicht Hoeneß seine Haltung, dass der Fußball bezahlbar bleiben müsse und nicht zu einem exklusiven Event für Wohlhabende werden dürfe. Die Debatte um die Ticketpreise der FIFA dürfte damit weiter an Fahrt gewinnen.



