Curevac-Gründer Hoerr: Biontech könnte selbst Übernahmekandidat werden
Hoerr: Biontech könnte Übernahmekandidat werden

Krise bei Biontech: Curevac-Gründer erhebt schwere Vorwürfe

Einst galt Biontech als deutsches Vorzeigeunternehmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Doch nun gerät der Impfstoffhersteller zunehmend unter Druck. Der Konzern plant, mehrere Standorte zu schließen und Personal abzubauen. Ingmar Hoerr, Gründer der Tochtergesellschaft Curevac, erhebt im Interview mit dem SPIEGEL schwere Vorwürfe gegen die Konzernführung. Er spricht von einer „systematischen Täuschung“ der Öffentlichkeit und der Belegschaft. Besonders kritisch sieht Hoerr den drohenden Verlust von wertvollem Know-how durch den Personalabbau. „Wenn erfahrene Wissenschaftler gehen, ist das Wissen für immer verloren“, warnt er.

Biontech als Übernahmekandidat?

Hoerr geht sogar noch weiter: „Es kann sein, dass Biontech irgendwann selbst ein Übernahmekandidat wird.“ Diese Prognose basiert auf der Einschätzung, dass das Unternehmen ohne eine klare strategische Ausrichtung und mit schrumpfender Belegschaft langfristig nicht wettbewerbsfähig bleiben könne. Der Curevac-Gründer betont, dass Biontech einst als Konkurrenten aus dem Weg räumte, nun aber selbst in eine schwierige Lage geraten sei.

Hintergründe des Konflikts

Biontech hatte Curevac im Jahr 2021 übernommen, um die mRNA-Technologie zu stärken. Doch die Integration verlief offenbar nicht reibungslos. Hoerr wirft der Konzernführung vor, die Versprechungen von damals nicht eingehalten zu haben. Stattdessen seien nun Standortschließungen und Entlassungen die Folge. „Die Belegschaft wurde getäuscht“, so Hoerr. Er fordert eine transparente Kommunikation und eine Kehrtwende in der Personalpolitik.

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Auswirkungen auf den Standort Deutschland

Der Fall Biontech wirft auch ein Schlaglicht auf die Herausforderungen der deutschen Biotechnologiebranche. Experten warnen davor, dass ein weiterer Abbau von Fachpersonal die Innovationskraft des Standorts gefährden könnte. Hoerr appelliert an die Politik, Rahmenbedingungen zu schaffen, die langfristige Forschung und Entwicklung fördern. „Wir dürfen nicht zulassen, dass deutsches Know-how ins Ausland abwandert“, mahnt er.

Biontech selbst hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die angekündigten Standortschließungen betreffen vor allem kleinere Einheiten in Deutschland und Europa. Ob das Unternehmen seine Führungsposition in der mRNA-Technologie behaupten kann, bleibt abzuwarten. Klar ist: Der Konflikt mit Curevac-Gründer Hoerr ist ein weiteres Zeichen für die Unruhe in der Branche.

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