Der Modekonzern Hugo Boss spürt die verhaltene Konsumlaune: Im dritten Quartal sank der Umsatz um 2,5 Prozent auf 1,03 Milliarden Euro, wie das Unternehmen aus Metzingen am Dienstag mitteilte. Besonders in Europa und den USA gingen die Verkäufe zurück. Der operative Gewinn (EBIT) fiel um zwölf Prozent auf 92 Millionen Euro. Damit verfehlte der Konzern die Erwartungen der Analysten.
Schwache Nachfrage in Europa und USA
In Europa, dem wichtigsten Markt, sanken die Umsätze um fünf Prozent, in Nordamerika um drei Prozent. Dagegen entwickelte sich das Geschäft in der Region Asien-Pazifik erfreulich: Dort legten die Erlöse um sieben Prozent zu, vor allem dank des wiedererstarkten Chinageschäfts. Der Online-Umsatz blieb stabil, während der stationäre Handel in vielen Märkten unter Druck stand.
„Die Konsumentenstimmung ist weltweit gedämpft, insbesondere in Europa und den USA“, sagte Unternehmenschef Daniel Grieder laut Mitteilung. „Wir reagieren mit einer konsequenten Kostenkontrolle und einer fokussierten Markenstrategie.“ Grieder verwies auf die im Sommer angekündigten Einsparungen von 50 Millionen Euro, die bis 2025 realisiert werden sollen.
Jahresprognose gesenkt
Wegen der anhaltenden Kaufzurückhaltung senkt Hugo Boss seine Ziele für das Gesamtjahr. Der Umsatz soll nun nur noch um ein bis vier Prozent wachsen, nachdem zuvor eine Steigerung von drei bis sechs Prozent angepeilt war. Beim operativen Ergebnis wird ein Rückgang von bis zu 15 Prozent erwartet, bisher hatte das Management einen Anstieg in Aussicht gestellt. Die Aktionäre sollen dennoch eine stabile Dividende erhalten.
Die Aktie reagierte negativ auf die Nachrichten: Sie verlor am Vormittag im Frankfurter Handel zeitweise mehr als fünf Prozent. Seit Jahresbeginn notiert das Papier rund ein Viertel im Minus. Analysten zeigten sich enttäuscht: „Die Schwäche im Großhandel ist alarmierend, und die Prognosesenkung war so nicht erwartet worden“, kommentierte ein Händler.
Strategische Neuausrichtung trotz Gegenwind
Hugo Boss hatte erst im Sommer seine Strategie „Claim 5“ vorgestellt, die das Wachstum in den nächsten Jahren ankurbeln soll. Dazu gehören Investitionen in Marketing, Digitalisierung und neue Store-Konzepte. Die Umsetzung werde fortgesetzt, betonte das Unternehmen, auch wenn der Gegenwind kurzfristig spürbar sei. Für das vierte Quartal erwartet der Vorstand eine leichte Belebung, gestützt auf das Weihnachtsgeschäft und die Einführung neuer Kollektionen.
Die Zahlen des dritten Quartals zeigen, dass der Druck auf die Margen zunimmt: Die Bruttomarge verringerte sich um 0,3 Prozentpunkte auf 61,8 Prozent. Grund sind höhere Kosten für Material und Logistik sowie verstärkte Preissenkungen im Handel. Das Unternehmen sieht sich jedoch auf Kurs, die langfristigen Ziele zu erreichen.
Mit der angekündigten Prognosesenkung reiht sich Hugo Boss in eine Reihe von Modekonzernen ein, die unter der schwachen Konsumnachfrage leiden. Die Branche kämpft mit hohen Lagerbeständen und einer zurückhaltenden Kundschaft, die angesichts von Inflation und Unsicherheit weniger ausgibt. Ob sich die Lage im wichtigen Weihnachtsgeschäft bessert, bleibt abzuwarten.



