IG Metall: Fast jeder zweite Betrieb verlagert Produktion ins Ausland
IG Metall: Fast jeder zweite Betrieb verlagert Produktion

Die IG Metall Bayern beklagt eine zunehmende Verlagerung von Produktion und Entwicklung ins Ausland. Eine aktuelle Befragung der Gewerkschaft unter 325 Betrieben zeigt, dass 48 Prozent der Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten Tätigkeiten in der Produktion ins Ausland verlagert haben. Das sind drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Auch in der Entwicklung stieg der Anteil um drei Punkte auf 36 Prozent. Eine Besserung sei nicht in Sicht, so die Gewerkschaft.

Kritik an Unternehmensführung

Bayerns IG Metall-Bezirksleiter Horst Ott übt scharfe Kritik an den Unternehmen: „Dieser Befund ist ein Armutszeugnis für die bayerischen Unternehmen und ihre Manager. Ideenlosigkeit statt Innovationskraft, Mutlosigkeit statt Investitionen, Rasenmäher-Methode statt Ausschöpfung vorhandener Potenziale: Die Entscheider wirtschaften den Standort Bayern herunter.“

Besonders betroffen ist die Autoindustrie. In den 43 befragten Betrieben dieser Branche haben knapp drei Viertel die Produktion verlagert, knapp zwei Drittel die Entwicklung. Beide Werte liegen deutlich über denen des Vorjahres.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Verlust von Leitwerken

Ott macht sich zudem Sorgen um den Verlust von sogenannten Leitwerkfunktionen, vor allem in der Autoindustrie. In Leitwerken werden neue Produkte und Produktionstechnologien erstmals eingesetzt, was ihnen eine Schlüsselposition sichert. „Die Leitwerkfunktion war immer die Stärke der bayerischen Industrie. Die Dominanz bei der Einführung brandneuer Produkte und Produktionsprozesse garantiert Innovation und technologische Weltspitze. Diese Führungsrolle geben die bayerischen Unternehmen gerade proaktiv und wissentlich aus der Hand“, betont Ott.

Die bayerische Metall- und Elektroindustrie befindet sich seit Jahren in der Krise. Laut Landesamt für Statistik ist die Produktion der bayerischen Industrie insgesamt in diesem Jahr geschrumpft. Die Arbeitgeberverbände bayme und vbm erwarten für dieses Jahr den Abbau von 20.000 Stellen. Sie erklärten, dass Firmen im Saldo nur im Ausland neue Mitarbeiter einstellen wollten, während die Inlandsbeschäftigung sinke. Zur Metall- und Elektroindustrie zählen unter anderem Autohersteller und Zulieferer, Maschinenbau, Elektroindustrie und Rüstungsfirmen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration