Berlin – Sie finden ihre Ziele eigenständig, unterstützen Kampfjets im Luftkampf und dringen lautlos in Schutzräume ein. Militärische Drohnen werden dank Künstlicher Intelligenz immer leistungsfähiger. Auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) sind diese Kampfmaschinen seit Mittwoch erstmals in Aktion zu sehen.
Von Exoten zu Hauptdarstellern
Früher galten Kampfdrohnen als seltene Messe-Exoten. Heute dominieren sie die Berliner Luftfahrtschau. Die Hersteller präsentieren am BER mehr als hundert Modelle für nahezu alle denkbaren Einsatzzwecke. Die Ausstellung gleicht einer Leistungsschau der Todesdrohnen. Der ukrainische Hersteller Skyfall zeigt Spionage-, Abfang- und Bombendrohnen, die im Kampf gegen Putins Truppen überlebenswichtig sind.
Bundeswehr setzt auf Vielfalt
Die Bundeswehr präsentiert in Schönefeld mehr als ein Dutzend Drohnen. Die kleinste davon, die „Black Hornet 4“, war bis Ende 2025 der Spezialtruppe KSK vorbehalten. Sie ist 25 Zentimeter lang, wiegt nur 70 Gramm und verfügt neben einer Kamera über Wärmebild- und Ultraschallsensoren.
Stabsfeldwebel Christian (34) zeigt die kleinste Bundeswehrdrohne: „Die Black Hornet ist für den Feind fast unsichtbar und nicht zu hören. Sie kann ohne GPS in Innenräumen oder Tunneln fliegen.“ Mit einer Akkuladung hält sie 30 Minuten durch – ideal für Aufklärung aus dem Schützengraben oder das Eindringen in Bunker.
Autonome Systeme und Loyal Wingmen
Ihre großen Geschwister stammen von Rüstungskonzernen wie Airbus, Hensoldt, Rheinmetall und General Atomics. Die Airbus-„Eurodrohne“ hat fast 30 Meter Spannweite und 13 Tonnen Startgewicht, sie kann zahlreiche Waffen tragen. Andere Langstreckendrohnen dienen der Luftüberwachung oder der Truppenkoordination.
Die Luftwaffe setzt ebenfalls auf Drohnen: Als „Loyal Wingmen“ können bis zu sechs autonome Jets bemannte Kampfflugzeuge begleiten und mit Luft-Luft-Raketen schützen. Die Befehle erhalten die Drohnen vom Piloten, die taktische Steuerung übernehmen sie selbst – mithilfe Künstlicher Intelligenz. Aus einem „Eurofighter“ wird so ein ganzer Verband. Die Helsing CA-1 findet Ziele dank KI auch auf umkämpften, elektronisch gestörten Schlachtfeldern – allein oder im Schwarm.
Produktion in Brandenburg
Militärdrohnen sollen bald auch in Brandenburg gebaut werden. Der israelische Hersteller ONDAS hat gemeinsam mit dem Druckmaschinen-Spezialisten Heidelberg das Gemeinschaftsunternehmen ONBERG gegründet. Noch in diesem Jahr soll die Drohnen-Produktion in Brandenburg/Havel starten. Auf der ILA ist ONDAS bereits mit einem Messestand vertreten. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bot ehemalige Truppenübungsplätze im Land als Testgelände an.
ONBERG-Abfangdrohnen werden künftig in Brandenburg/Havel hergestellt. Die fliegenden Roboter werden künftige Kriege prägen, ob ferngesteuert oder autonom – wie schon heute in der Ukraine und im Iran. „Die Entwicklung verläuft rasend schnell“, sagt Stabsfeldwebel Christian. Ständig gebe es neue Modelle und Einsatzideen, viele davon sind in dieser Woche auf der ILA zu sehen.



