Der Modedesigner Kilian Kerner hat eine monatelange Leidenszeit hinter sich. Der 47-Jährige, bekannt aus der Fernsehshow „Germany’s Next Topmodel“, berichtete in einem Interview von schweren Rückenschmerzen, die im vergangenen Herbst begannen. „An einem Samstagmorgen bin ich aufgewacht und hatte Rückenschmerzen“, erzählt Kerner. Die Schmerzen wurden immer schlimmer, wochenlang wurde er vergeblich wegen einer angeblichen Entzündung behandelt. Erst nach einem MRT und einer veränderten Medikation besserte sich sein Zustand langsam.
Schmerzhafteste Autofahrt und 18 Tabletten täglich
Besonders dramatisch wurde es, als Kerner zu Hause auf dem Sofa ein Tennisspiel der Australian Open schaute. „Ich bin aufgestanden und habe einen Schmerz gespürt, bei dem ich dachte: Mich erschießt gerade jemand.“ Trotz der Schmerzen hielt er an seiner Show bei der Berliner Fashion Week im Januar fest. Zur Vorbereitung zog er mit seinem Team ins Hotel und nahm ein Taxi. „Die schlimmste Autofahrt meines Lebens“, sagt er. „Ich habe die ganze Zeit geweint vor Schmerzen.“ Täglich legte ihm der Arzt Infusionen, und Kerner nahm insgesamt 18 Tabletten am Tag. Auch sein Rücken wurde betäubt. Vor der Show konnte er überwiegend liegend arbeiten. Am Tag selbst entschied er sich für ein noch härteres Schmerzmittel, anstatt die Show abzusagen.
Operation und posttraumatische Belastungsstörung
Dass er in dem Moment nicht auf seine Grenze achtete, beschäftigt ihn bis heute. Die Lage verschlimmerte sich weiter, wie er kürzlich in der „NDR Talk Show“ schilderte. Er musste ins Krankenhaus, und bei einer Operation funktionierte seine Atmung nicht mehr richtig. Privat durchlebte er in dieser Zeit zudem eine Trennung. All dies geschah, während er beruflich Höhepunkte erlebte: In Paris zeigte er erstmals eine Show, Popstar Lady Gaga trug sein Design, und Sängerin Céline Dion wählte eines seiner Kleider für die Ankündigung ihrer Comebacktour. „Es war wirklich wie ein Krieg im Kopf“, sagt Kerner. Mit viel Therapie arbeitete er sich nach einer posttraumatischen Belastungsstörung langsam aus dem Loch. Er nahm 15 Kilogramm ab, ernährt sich gesund und treibt Sport.
Umzug nach Los Angeles und neue Kollektion
Kerner fasste einen Entschluss: Er will für sechs Monate an die US-Westküste nach Los Angeles ziehen. „Ich liebe diese Stadt einfach sehr“, sagt er. Um sich in der Millionenmetropole fortbewegen zu können, macht er mit 47 Jahren seinen Führerschein. „Ich bin tatsächlich ein guter Autofahrer, was mir Jahrzehnte niemand zugetraut hat.“ Sein Haus in Berlin möchte er nicht aufgeben. Am Freitag (3. Juli) zeigt er in Berlin seine neue Kollektion auf der Fashion Week, die den Titel „Burning Symphony“ (brennende Sinfonie) trägt. Die Modewoche im Januar setzt er aus, und auch langfristig braucht es einen Plan – dauerhaft die Shows in Berlin und Paris zu machen, sei zu viel.
Lebenseinstellung nach der Krise
Neben dem Experiment LA hat sich Kerner etwas anderes vorgenommen. Die größte Erkenntnis stamme aus einem Gespräch mit seiner Assistentin: „Wir haben darüber geredet, was denn wäre, wenn es schiefgegangen wäre. Ich hatte ein schönes Leben. Ich habe viel erlebt. Ich hatte so viel Erfolg – das hätte ich mir niemals träumen lassen. Ich habe die ganz große Liebe erlebt. Von daher hätte ich nichts verpasst, wenn es schiefgegangen wäre, außer: dass so vieles unausgesprochen geblieben wäre.“ Diesen Gedanken habe er nicht ertragen. „Und seitdem ist in meinem Kopf immer dieser Gedanke: ‚Du könntest morgen tot sein, also sag jeden Tag alles, was du zu sagen hast.‘ Egal, ob es schön oder nicht schön ist“, erzählt Kerner. „Mache ich das nicht, kann ich nicht schlafen.“ Ihm ist es wichtig zu sagen, dass es ihm heute besser geht. „Und das habe ich sehr vielen Leuten zu verdanken, die mir sehr geholfen haben, aber auch mir selbst“, sagt er. Und der Entscheidung, nach LA zu gehen. Außerdem habe er vor Kurzem ein wunderschönes Erlebnis gehabt, worüber er jetzt hier aber nicht sprechen werde, denn das sei sehr privat.



