Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS, Hersteller des Kampfpanzers Leopard 2 und der Panzerhaubitze 2000, wagt den Gang an die Börse. Wie das Unternehmen mitteilte, sollen die Aktien im Rahmen einer Doppelnotierung in Frankfurt und Paris platziert werden. Kleinanleger bleiben beim Börsengang zunächst außen vor. Die Bundesregierung und der französische Staat erwerben jeweils 40 Prozent der Anteile, die restlichen 20 Prozent gehen an institutionelle Investoren.
Details zum Börsengang
Der genaue Zeitpunkt der Notierung steht noch nicht fest, wird aber noch vor Mitte Juli erwartet. Weitere Einzelheiten sollen mit dem Prospekt veröffentlicht werden. Der Börsengang gilt als einer der größten europäischen im Verteidigungssektor der letzten Jahre. KNDS-Chef Jean-Paul Alary begründete den Ausschluss von Kleinanlegern mit der Eile: „Wir haben es eilig, an die Börse zu gehen, und wollten den Prozess nicht komplexer machen als nötig.“ Zudem habe man „sehr großes Interesse bei institutionellen Investoren“ festgestellt, weshalb es „nicht nötig gewesen“ sei, sich an Kleinanleger zu wenden.
Bund zahlt Aufschlag auf Emissionspreis
Erst vor wenigen Tagen genehmigte die EU-Kommission den Einstieg des Bundes. An diesem Freitag soll der Haushaltsausschuss des Bundestages über ein Paket von Verträgen abstimmen, das unter anderem die künftige Führungsstruktur und die Rechte der Eigentümer regelt. Laut Reuters zahlt die Bundesregierung für ihr Aktienpaket mehr als den Emissionspreis – ein „marktüblicher Paketaufschlag“ ist in der Vorlage für den Haushaltsausschuss die Rede. Ursprünglich hatte der Bund darauf bestanden, nicht mehr zu zahlen als andere künftige Aktionäre.
Strategische Agilität und nationale Sicherheit
Alary bezeichnete den Börsengang als „natürlichen nächsten Schritt“ für KNDS. „Er wird unsere strategische Agilität erhöhen und die fortgesetzten Investitionen in Kapazitäten, Innovation und Technologien der nächsten Generation unterstützen. Wir begrüßen außerdem die Absicht der deutschen Regierung, neben dem französischen Staat Ankeraktionär zu werden.“
Wochenlang hatten Deutschland, Frankreich und das Management um die Führungsstruktur und die Wahrung der nationalen Sicherheitsinteressen gerungen. Alary sagte, man habe „die richtige Balance gefunden, um dem Management ausreichend Flexibilität zu geben, das Unternehmen zu führen, und zugleich die nationalen Sicherheitsinteressen der beiden Staaten zu wahren“. Ein Schlüsselelement sei, dass sich das Management bezüglich der Strategie mit den beiden größten Aktionären einig sei. Zudem seien „sehr effektive Mechanismen“ vorgesehen, um eine gegenseitige Blockade der Großaktionäre zu verhindern.
Unternehmenshintergrund
KNDS entstand 2015 durch die Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Unternehmen Nexter. Der Konzern beschäftigt rund 11.000 Mitarbeiter und erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro. Der Hauptsitz befindet sich in Amsterdam, die deutsche Zentrale in München. Bislang befand sich KNDS im Besitz der deutschen Familie hinter Krauss-Maffei Wegmann und des französischen Staates.



