Berlin – „Made in Germany“ war für deutsche Autobauer lange Versprechen und Geschäftsmodell zugleich. Wer Mercedes, BMW, Audi oder VW kaufte, zahlte mehr. Dafür gab es starke Motoren, präzise Getriebe, gutes Fahrwerk, saubere Verarbeitung. Das brachte nicht nur Image. Es brachte hohe Preise, gute Gewinne, gut ausgelastete Werke und Hunderttausende Jobs bei Herstellern und Zulieferern. Doch beim Elektroauto gerät diese Rechnung unter Druck. Der Grund ist nicht, dass deutsche Hersteller keine guten Autos mehr bauen können – sondern weil sich verschoben hat, was ein gutes Auto ausmacht. Was nun stärker zählt: Batterie, Software, Ladeleistung, Preis, Produktionskosten.
Made in Germany: Vom Motor zur Batterie
Prof. Martin Gornig vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sagt zu BILD: „Made in Germany war in der Autoindustrie lange sehr stark mit dem Motorenbau verbunden. Dieses Versprechen müssen sich deutsche Hersteller beim Elektroauto neu erarbeiten.“ BMW setzt beim neuen iX3 auf die „Neue Klasse“. Das Modell soll zeigen, wie deutsches Premium beim E-Auto künftig aussehen kann.
Deutschland baut teuer, China macht Druck
Die deutschen Autobauer müssen beweisen, dass sich mit E-Autos in Deutschland weiter gutes Geld verdienen lässt. Denn Batterien sind teuer, Software verschlingt Milliarden, neue Plattformen müssen sich rechnen. Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller mit gut ausgestatteten E-Autos und aggressiven Preisen in den Markt. Autoexpertin Beatrix Keim sieht das größte Problem deutscher E-Autos vor allem beim Preis. China zeige, dass es günstiger gehe, allerdings unter anderen Bedingungen: niedrigere Energiepreise, geringere Löhne, staatliche Unterstützung und harter Wettbewerb im Heimatmarkt. Gornig sagt: „Deutsche Hersteller werden nicht billiger. Ihre einzige realistische Option ist, besser zu sein als China.“
Der neue Kern des Autos
Gornig warnt davor, die Schlüsseltechnik nur in China einzukaufen. Batterie und Software müssten zum neuen deutschen Motor werden. „Beim Elektroauto muss der deutsche Motor gewissermaßen in neuer Form zurückkommen“, sagt er zu BILD. BYD Blade Battery: Beim E-Auto wird die Batterie zur neuen Schlüsseltechnik.
Eine Rückkehr zum Verbrenner löst das Problem nicht. Der alte Antrieb verdient noch Geld, aber als Zukunftsmodell reicht er nicht. Gornig sagt: „Den Strukturwandel aufzuhalten, ist keine gute Lösung. Das Verbrenner-Aus kommt durch den technischen Fortschritt früher oder später ohnehin.“ Made in Germany ist nicht tot. Aber es muss beim E-Auto neu bewiesen werden.



