RB-Boss Mekies: Verstappen-Ausstiegsklausel ist Vertragssache
Mekies über Verstappen-Ausstieg: Vertrag ist Vertrag

Mekies über erstes Jahr als Red-Bull-Teamchef: „Achterbahnfahrt“

Vor einem Jahr trat Oliver Mintzlaff, Sport-Boss von Red Bull, auf die Bremse – nicht zaghaft, sondern mit voller Kraft. Der Energydrink-Konzern entließ Teamchef und CEO Christian Horner und übergab das Steuer an Laurent Mekies. Der Franzose sollte das zerstrittene Team des viermaligen Weltmeisters Max Verstappen vereinen und wieder in die Spur bringen. Mekies ist kein Lautsprecher, er ist ein Einflüsterer. Statt wie Vorgänger Horner dauerhaft in den Medien präsent zu sein, bevorzugt der neue Leitbulle den Hintergrund. Für BILD hat sich Mekies dennoch Zeit genommen und über sein erstes Jahr im Amt gesprochen.

„Zeit ging schnell rum“ – Mekies zieht Bilanz

Auf die Frage, wie er die Zeit zusammenfassen würde, antwortet Mekies: „Es war wie eine Achterbahnfahrt. In der zweiten Saisonhälfte 2025 ging es mit mehreren Siegen steil bergauf. Dass Max die Fahrer-WM am Ende mit nur zwei Punkten Rückstand verpassen würde, war im Sommer unvorstellbar. Das war ein herber Schlag.“ Zeit zum Trauern habe es jedoch nicht gegeben: „Ab Tag eins nach dem Saisonfinale mussten wir den vollen Fokus auf 2026 und die neuen Regularien legen, die so umfassend waren wie nie zuvor. Dazu schwebte immer eine dunkle Wolke über uns, weil keiner wusste, wie gut unser erster eigener gebauter Motor sein würde. Hätte der gestottert, wären wir nicht nur 2026, sondern auch in den darauffolgenden Jahren nicht titelfähig gewesen.“

Motor überzeugt, Chassis mit Problemen

Der Motor überzeuge im Gegensatz zum Chassis, mit dem es Probleme gab. „Ja, die dunkle Wolke war von jetzt auf gleich wie weggepustet, nur vier Jahre nach Entwicklungsstart ist der Motor direkt konkurrenzfähig. Und unser Chassis verstehen wir auch immer besser. Wir konnten den Rückstand auf Mercedes von über einer Sekunde bei den Testfahrten auf 0,3 Sekunden verringern. Jetzt geht es um Details.“

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Verstappen-Ausstiegsklausel: „Vertrag ist Vertrag“

Es schwebe eine weitere dunkle Wolke über dem Team: Seit Monaten halten sich Gerüchte, Max Verstappen könne Red Bull durch eine Ausstiegsklausel verlassen. Mekies dazu: „Eine Vereinbarung ist eine Vereinbarung, ein Vertrag ist ein Vertrag. Wir können an der Situation nichts ändern und konzentrieren uns darauf das Auto schneller zu machen.“ Auf die Frage, ob er zuversichtlich sei, dass Verstappen bleibt, antwortet er: „Wir sind in regelmäßigen Gesprächen mit Max und er gibt uns mit der Art und Weise, wie er in das Projekt involviert ist und sich reinhängt, ein gutes Gefühl. Da hat sich nichts verändert. Ich verstehe Max: Er will gewinnen. Dafür ist er in diesem Sport – aber das gilt genauso für uns. Dafür braucht er ein schnelles Auto.“

Upgrade in Österreich: Schritt nach vorn

Das Ende Juni in Österreich gelieferte Upgrade habe gut funktioniert. Verstappen fuhr erstmals um den Sieg mit. „Wir haben definitiv einen Schritt nach vorn gemacht, aber es geht nicht darum, vereinzelt bei Rennen um den Sieg zu fahren. Wir möchten einen neuen Siegzyklus starten. Red Bull hat immer in Zyklen funktioniert. Von 2010 bis 2013 hat man mit Sebastian Vettel vier WM-Titel gewonnen, bevor Mercedes über Jahre das Maß aller Dinge war. Diese Dominanz hat Max im Red Bull gebrochen, als er von 2021 bis 2024 viermal in Folge Champion wurde.“

„Nicht über Nacht“ – Zeitplan für neuen Zyklus

Wie schnell könne man einen solchen Zyklus wieder starten? „Nicht erst wieder in sieben Jahren (lacht). Im Ernst: Wir sind auf einem guten Weg, aber man kann zeitlich nicht festlegen, wann wir wieder an dem Punkt sind. Es geht nicht um irgendeinen Schritt, sondern um echten Fortschritt. Wir müssen das richtige Fundament schaffen, um langfristig Erfolg zu haben. Das klappt in der Formel 1 nicht über Nacht. Das weiß auch Max.“

Verstappens öffentliche Kritik: „Emotionen gehören dazu“

Verstappen kritisierte das Team diese Saison immer wieder öffentlich. Mekies dazu: „Emotionen gehören zu diesem Sport. Wir sind genauso frustriert wie Max, wenn wir ein schlechtes Rennen hatten. Ich mag diese Emotionen – aber wir dürfen uns nicht von ihnen leiten lassen. Unser Fokus liegt auf dem Racing. Denn wenn wir ein schnelles Auto haben, sind alle Nebengeräusche weg.“

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„Grundrauschen“ – Umgang mit Nebengeräuschen

Beeinflussen diese die Leistung des Teams? „Wir versuchen, uns nicht mit dem zu beschäftigen, was alles drumherum passiert. Ich glaube, dass dadurch ein Grundrauschen entsteht, das uns eigentlich nicht ablenken sollte. Und auch Max ist ja keine zwei Wochen sauer, sondern drei Tage nach dem Rennen in Silverstone wieder im Simulator in Milton Keynes. Aber noch einmal: Haben wir ein schnelles Auto, gibt es auch keine Nebengeräusche mehr. Es liegt an uns.“

Hadjar als zweiter Top-Fahrer: „Sehr zufrieden“

Stichwort schnell: Mit Isack Hadjar habe Red Bull erstmals seit Jahren einen zweiten Top-Fahrer, der konstant Punkte einfährt. „Isack hatte einen sehr guten Start in diese Saison. Man vergisst manchmal, dass er erst seine zweite Saison in der Formel 1 fährt. Aber das ist das Ergebnis seiner professionellen Arbeitsweise. Er ist direkt nach seiner Unterschrift bei uns in die Nähe der Fabrik nach England gezogen und oft in Milton Keynes vor Ort. Wir sind sehr zufrieden.“

Potenzial von Hadjar: „Ständige Weiterentwicklung“

Wie viel Potenzial stecke noch in ihm? „Was die sehr guten von den guten Fahrern unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie sich konstant weiterentwickeln. Bei Isack sehen wir das. Alle paar Rennen beobachten wir Dinge, bei denen wir sagen: ‚Das haben wir von ihm noch nicht gesehen, das ist neu!‘. Aber bei ihm gilt genau wie bei Max: Wir müssen ihm das bestmögliche Material zur Verfügung stellen, damit er sich weiterentwickeln kann.“