DFB-Krise: Nächster Spieler-Streik im Osten beim Chemnitz-Derby
Nächster Spieler-Streik im Osten beim Chemnitz-Derby

Die Turbulenzen in den Regionalligen des deutschen Fußballs reißen nicht ab. Fünf Tage vor der entscheidenden Konferenz der Verbandspräsidenten im Deutschen Fußball-Bund (DFB) kam es zum nächsten Streik von Fußball-Profis. Der Chemnitzer FC und der FSV Zwickau standen sich im Westsachsen-Derby gegenüber, das live im MDR-Fernsehen übertragen wurde. Doch direkt nach dem Anpfiff legten beide Mannschaften den Ball nieder, der Schiedsrichter stand hilflos daneben, und die Uhr tickte fast eine Minute lang, ohne dass ein Spielzug stattfand. Der Chemnitzer FC gewann die Partie schließlich mit 3:2.

Ursache des Protests: Ungleiche Aufstiegsregelung

Hintergrund des Streiks ist die seit 2012 bestehende Aufstiegsregelung in den fünf Regionalligen. Aus diesen fünf Ligen steigen nur vier Meister auf. Während die Staffelsieger aus Südwest und West jedes Jahr direkt aufsteigen dürfen, müssen die Titelträger aus Bayern, dem Norden und dem Osten alle drei Jahre in eine Relegation, in der sie sich in zwei Spielen den Aufstieg in den Profifußball erkämpfen müssen. Diese Regelung sorgt seit Jahren für Unmut und wird von den betroffenen Vereinen als ungerecht empfunden.

Wut über wertlosen Wettbewerb

Die Botschaft des Nachmittags in Chemnitz war eindeutig: Die Berufsfußballer haben keine Lust mehr, in einem Wettbewerb zu kicken, der letztlich wertlos ist. Besonders im Osten Deutschlands ist die Wut bei Fans und Klubs groß. Viele Menschen fühlen sich seit der Wiedervereinigung auch in anderen Lebensbereichen benachteiligt, und zahlreiche Vereine erlebten nach der Wende einen kompletten Absturz. Die vollen Ränge in den Stadien stehen im Kontrast zu dem fehlenden Aufstiegsrecht.

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Sportwissenschaftler wie Professor Harald Lange von der Universität Würzburg können diese Gefühle nachvollziehen. „Das teile ich absolut. Man könnte sogar so weit gehen, zu sagen, man setzt dem nun etwas entgegen und fördert quasi besonders in den neuen Bundesländern den Fußball, um es auszugleichen. So aber verstärkt man das Ungerechtigkeitsempfinden noch mehr“, sagte der Fanforscher kürzlich gegenüber BILD.

Kompassmodell als Reformvorschlag

Die Ostklubs fordern eine Reform nach dem innovativen Kompassmodell, das vier Staffeln in vier Himmelsrichtungen vorsieht und eine Rückkehr zur Gleichberechtigung garantieren soll. Dieses Modell erhält breite Unterstützung: 78 Klubs und Fanszenen bundesweit werben für seine sofortige Einführung.

Allerdings steht bei einer Abstimmung der Vereine auch das acht Jahre alte Regionenmodell zur Auswahl, das den Osten noch stärker beschneiden würde. Präsident Marcus Uhlig (55) von West-Regionalligist Oberhausen sagte kürzlich bei „11Freunde“: „Man kann aus meiner Sicht nicht ausgerechnet die Regionalliga Nordost zerschlagen. Das ist die zuschauerstärkste Regionalliga, mit vielen Traditionsvereinen und einer ganz eigenen Geschichte. Der Osten hat diese Reformbewegung angeschoben und soll zur Belohnung bestraft werden? Das halte ich fußballpolitisch und gesellschaftlich für sehr schwer vermittelbar.“

Neuendorfs Ansage in Bayern

Auch in Bayern gab es eine Spielunterbrechung, als Fans Kompasswürfe auf das Feld warfen und gleichzeitig auf den Rängen protestierten. Auf dem Verbandstag des Bayerischen Fußballverbands (BFV) betonte DFB-Präsident Bernd Neuendorf am Wochenende in einer Gastrede: „Jeder Einzelne sieht den Reformbedarf bei der Regionalliga. Ja, Meister müssen aufsteigen!“ Gleichzeitig bremste BFV-Boss Dr. Christoph Kern jedoch: „Es geht uns um die bestmögliche Lösung – und nicht um eine Schnell-schnell-Lösung.“ Gegenwind bekam er zuvor schon von Trainer-Legende Felix Magath in BILD, der das Vertrösten satthat.

Zukunft der Regionalliga

Die Verbandsbosse haben es nun in der Hand, gemeinsam mit den Vereinen die bestehende Ungerechtigkeit zu beenden. Die Zeit drängt, denn der Druck von Spielern und Fans wächst. Es bleibt abzuwarten, ob die Reform kommt oder ob weitere Streiks folgen werden.

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