Ostdeutschland: Elektroautos dominieren Pkw-Produktion mit 60 Prozent Anteil
Ostdeutschland: 60 Prozent der Pkw-Produktion sind Elektroautos

Elektromobilität prägt ostdeutsche Automobilproduktion

Die Automobilindustrie in Ostdeutschland hat sich zu einem Vorreiter der Elektromobilität entwickelt. Nach aktuellen Berechnungen der Leipziger Initiative Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD) auf Basis von VDA-Zahlen waren im vergangenen Jahr insgesamt 60 Prozent aller in Ostdeutschland produzierten Personenkraftwagen Elektroautos. Diese Auswertung liegt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor und zeigt einen deutlichen Kontrast zu anderen Regionen Deutschlands.

Deutliche Unterschiede zwischen Ost und West

Zum Vergleich: In Westdeutschland machen Elektro-Pkw lediglich 35,1 Prozent der Produktion aus, während der bundesweite Durchschnitt bei 40,2 Prozent liegt. Allerdings werden in absoluten Zahlen im Westen sowohl mehr Elektroautos als auch mehr Fahrzeuge insgesamt produziert. Die Schwerpunkte der Automobilproduktion in Westdeutschland liegen traditionell in Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg.

Reine E-Auto-Standorte als Treiber

Der hohe Elektroauto-Anteil in den ostdeutschen Werken ist vor allem den reinen E-Auto-Standorten von Tesla und Volkswagen zu verdanken. Volkswagen hatte sein Werk in Zwickau bereits bis 2020 zum ersten reinen Elektroauto-Werk umgebaut, wo heute auch Modelle von Audi und Cupra vom Band rollen. Ein weiterer wichtiger Standort ist das Tesla-Werk in Grünheide bei Berlin, das 2022 als erstes und bisher einziges europäisches Werk des US-Elektroauto-Pioniers eröffnete.

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Brandenburg wurde damit zum ersten Bundesland, in dem ausschließlich Elektroautos produziert werden. Die größere Stückzahl entfällt jedoch auf Sachsen, wo neben dem VW-Werk in Zwickau auch die Werke von BMW und Porsche in Leipzig angesiedelt sind. Interessanterweise war BMW Leipzig bereits 2013 mit dem Start des damaligen BMW i3 das erste deutsche Werk überhaupt, in dem Elektroautos gebaut wurden.

Wirtschaftsfaktor mit besonderer Bedeutung

Jens Katzek, Geschäftsführer des ADOC, betont die wirtschaftliche Bedeutung: „Deutlich über 200.000 Menschen arbeiten in der Automobilindustrie und den Zulieferern in Ostdeutschland. Damit hängen mehr Industriearbeitsplätze im Osten der Republik am Thema Automobil als in Westdeutschland.“ Diese Vorreiterrolle bringe jedoch auch besondere Herausforderungen mit sich, da der Druck besonders hoch sei, dass die Umstellung auf Elektromobilität erfolgreich verlaufe.

Elisabeth Kaiser (SPD), Ostbeauftragte der Bundesregierung, unterstreicht diese Einschätzung: Jeder vierte Industriearbeitsplatz in Ostdeutschland hänge am Automobilsektor, der unter großem Druck durch internationalen Wettbewerb, Zölle und die Umstellung auf klimafreundliche Antriebe stehe.

Politische Initiativen und Forderungen

Kaiser hat für diesen Mittwoch zu einem „Branchendialog Automobil“ eingeladen, bei dem sie mit Unternehmen, Betriebsräten, dem VDA, der IG Metall, den Ländern und der Bundesregierung über eine Stärkung der ostdeutschen Produktionsstandorte diskutieren möchte. Die Bundesregierung habe bereits Maßnahmen zur Stützung der Autoindustrie ergriffen, so Kaiser, doch benötige man nun auch klare Signale der Unternehmenszentralen zur Sicherung der Arbeitsplätze an ostdeutschen Standorten.

Umweltminister Carsten Schneider (SPD) betont: „Jetzt kommt es darauf an, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass insbesondere auch die Vorreiterstandorte wie Zwickau dauerhaft abgesichert sind.“

Gewerkschaftliche und verbandliche Positionen

Christiane Benner, Vorsitzende der IG Metall, fordert entschiedene Maßnahmen: „Es braucht jetzt Investitionen und klare, verbindliche Standortzusagen in Ostdeutschland. Die ständig über der Belegschaft schwebende schwarze Wolke namens Verlagerung muss weg!“ Sie spricht sich für sogenannte Local-Content-Verpflichtungen für ausländische Hersteller aus, nach dem Prinzip: Wer in Deutschland verkaufen wolle, müsse auch einen wesentlichen Teil hier fertigen.

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Andreas Rade, Geschäftsführer des Verbands der Automobilindustrie, warnt vor Verlagerungen von Investitionen ins Ausland: „Wir haben in Deutschland ein massives Standortproblem. Die Politik muss daher nun alles tun, was Wachstum schafft.“ Diese Aussagen verdeutlichen die angespannte Situation in einer Branche, die sich im tiefgreifenden Wandel befindet.