Das kleinste Serienauto der Welt: Ein Miniatur-Wunder auf Rädern
Ist es eine Butterdose? Eine Kühlbox? Oder vielleicht eine übergroße Pralinenschachtel? Bei genauerem Blick entpuppt sich der blaue Farbtupfer auf dem Foto als das kleinste jemals in Serie produzierte Auto der Welt - ein Peel P50. Dieses außergewöhnliche Fahrzeug ist aktuell im PS-Speicher Museum in Einbeck ausgestellt und zieht Besucher mit seinen kuriosen Dimensionen in den Bann.
Ein Auto, das in keine Parklücke passt - weil es überall hineinpasst
Beim Anblick dieses Fotos überkommen einen fast schon Bobbycar-Assoziationen: Auf einem ganz normalen Hinterhof-Parkplatz im niedersächsischen Einbeck stehen ein Transporter, ein SUV und ein konventioneller Kleinwagen. Dazwischen funkelt ein winziger blauer Punkt - der Peel P50. Von oben betrachtet misst dieses Miniatur-Auto gerade einmal etwas mehr als einen Quadratmeter. Bereits im Jahr 2010 nahm das Guinness-Buch der Rekorde das winzige Gefährt in seine Sammlung auf.
Vor gut sechs Jahrzehnten ging diese kuriose „Knutschkugel“ in Großbritannien in Produktion. Das Besondere im Vergleich zu modernen Fahrzeugen: In einem Peel (benannt nach einem Badort auf der Isle of Man) rückt man garantiert niemandem auf die Pelle. Das Fahrzeug misst nur etwa 1,30 Meter in der Länge und bleibt unter einem Meter in der Breite.
Drei Räder, ein Sitz und null Komfort
Die technischen Features lesen sich wie aus einem alternativen Automobilentwurf: drei Räder (zwei vorne, eins hinten), ein Lenkrad, ein einzelner Fahrersitz. Dafür fehlen komplett: Kofferraum, Beinfreiheit und jeglicher Komfort. Wer parken möchte, muss definitiv leiden. Dennoch gibt es begeisterte Fans, die diesem skurrilen Gefährt viel abgewinnen können.
Stephan Richter vom PS-Speicher Museum in Einbeck, wo das blaue Mini-Wunder seinen Stellplatz hat, erklärt: „Manche Menschen wollen für sich alleine sein und nur sich selbst sowie das Auto transportieren - genau dafür ist der Peel P50 wie geschaffen.“
Selten, teuer und ohne Rückwärtsgang
Laut originalen Herstellerangaben wurden lediglich 50 Fahrzeuge produziert. Experten schätzen, dass heute noch etwa zwei Dutzend Peel P50 existieren. Bei speziellen Auktionen wechseln die verbliebenen Modelle mitunter für mehr als 100.000 Euro den Besitzer. Gelegentlich werden auch Einzelstücke oder Kleinserien neu aufgelegt.
Eine weitere amüsante Eigenheit des P50: Das Fahrzeug verfügt über keinen Rückwärtsgang! Doch keine Sorge - weil die glasfaserverstärkte Karosserie nur etwa 60 Kilogramm wiegt, lässt sich der Winzling einfach mit der Hand aus einer Parklücke ziehen. Ein spezieller Griff dafür ist am Heck angebracht.
Geschwindigkeit und Sicherheit: Minimalistisch bis gefährlich
Und wie schnell kommt man voran, wenn man sich einmal hinter das Mini-Steuer gequetscht hat? Stephan Richter verrät: „Theoretisch sind 60 bis 70 Kilometer pro Stunde möglich, aber ich würde damit nicht viel mehr als 25 Kilometer pro Stunde fahren.“ Selbst diese moderate Geschwindigkeit hätte der Mechaniker Joachim Kirk dem Rekord-Auto nicht zugetraut: „Mir war nicht klar, dass sich dieses Fahrzeug aus eigener Kraft fortbewegen kann. Ich habe es zunächst für einen speziellen Krankenrollstuhl gehalten.“
Im unwirklichen Größenvergleich neben einem konventionellen Lastwagen wirkt der Peel P50 tatsächlich wie ein Spielzeugauto. Damit stellt sich die berechtigte Frage, wie der Peel P50 und sein Insasse eine Fahrt im regulären Straßenverkehr überstehen würden.
Laut Richter gerät der Wagen wegen seiner ungewöhnlichen Dreirad-Konstruktion durchaus ins Schwanken, wenn es in die Kurve geht. Und: „Knautschzonen hat dieses Auto praktisch nicht. Das gesamte Konzept ist einfach extrem minimalistisch ausgelegt.“ Von einer Alltagsfahrt im kleinsten Serienauto der Welt können wir also vorerst nur träumen - das Erlebnis bleibt Museumsbesuchern und Sammlern vorbehalten.



