Porsche vollzieht einen überraschenden Wechsel an der Spitze der Produktion. Der bisherige Produktionsvorstand Albrecht Reimold, 65, wird das Unternehmen bereits zum 1. September verlassen, obwohl sein Vertrag noch bis Anfang 2027 läuft. Das gab Porsche nach der Aufsichtsratssitzung am späten Mittwochnachmittag bekannt. Über die Personalie hatte das Handelsblatt bereits vor einer Woche berichtet.
Generationswechsel an der Spitze
Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche würdigte Reimolds Leistungen: „Albrecht Reimold hat sich in der internationalen Automobilbranche über die vergangenen Jahrzehnte einen exzellenten Ruf erworben.“ Reimold habe Produktion und Logistik substanziell weiterentwickelt. Porsche-Chef Michael Leiters setzt nun auf einen Generationswechsel: „Mit Christian Friedl vollziehen wir den geplanten Generationswechsel. Er bringt die besten Voraussetzungen mit, um das Produktionsnetzwerk weiterzuentwickeln und die Wettbewerbsfähigkeit der Standorte zu sichern und auszubauen.“
Christian Friedl, 49, gilt als enger Vertrauter von Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume, der bis vor einem Jahr parallel Porsche-Chef war. Friedl begann seine Karriere bei Porsche 1999, war Werkleiter in Stuttgart-Zuffenhausen und wurde gezielt für höhere Aufgaben aufgebaut. Aktuell verantwortet er die Qualitätssicherung. Der neue Produktionsvorstand soll bereits beim Kapitalmarkttag am 7. Oktober gemeinsam mit der Führungsmannschaft die künftige Strategie präsentieren.
Weiterer Stellenabbau zeichnet sich ab
Im Aufsichtsrat wurden auch die Ergebnisse der Gespräche über das zweite Sanierungspaket besprochen. Ein Porsche-Sprecher erklärte: „Der Vorstand hat den aktuellen Stand der Verhandlungen des Zukunftspakets vorgestellt. Das Gremium hat seine Unterstützung zugesagt. Jetzt gilt es, die letzten Schritte zu finalisieren.“ Konkrete Details nannte der Sprecher nicht; die Belegschaft soll auf einer Betriebsversammlung am kommenden Montag informiert werden.
Nach Informationen des Handelsblatts aus Konzernkreisen plant Porsche-Chef Leiters, den Arbeitnehmern weit entgegenzukommen. Die Beschäftigungssicherung für deutsche Standorte soll bis Ende 2035 verlängert werden, allerdings mit weitreichenden Öffnungsklauseln, falls Renditeziele nicht erreicht werden. Ein Unternehmensinsider sagte nach der Aufsichtsratssitzung: „Man solle davon ausgehen, dass die Beschäftigungssicherung bis 2035 in dem Paket geblieben sei.“
Zugeständnisse an die Belegschaft
Weitgehend verzichtet werden soll auf Eingriffe in tarifliche Leistungen. Die sogenannte Steinkühlerpause, die Bandarbeitern pro Stunde fünf Minuten Erholung und drei Minuten für Toilettenbesuche erlaubt, bleibt unangetastet. Auch die Homeoffice-Regelung könnte wieder großzügiger werden: Sie soll bis zu acht Tage mobiles Arbeiten pro Monat erlauben, nachdem Leiters die Option zuletzt eingeschränkt hatte. Bislang waren zwölf Tage möglich.
Im Gegenzug ist die Arbeitnehmerseite bereit, einen tieferen Personalabbau mitzutragen. Aus Konzernkreisen ist zu hören, dass Leiters deutlich mehr als die zuletzt diskutierten rund 4000 zusätzlichen Stellen anstrebt. Mit dem ersten Sanierungspaket von 3900 Stellen würde sich der gesamte Abbau auf deutlich über 8000 summieren. Ende 2025 beschäftigte Porsche weltweit 42.000 Mitarbeiter. Um die Standortsicherung soll im Aufsichtsrat heftig diskutiert worden sein, hieß es in Konzernkreisen.



